Full text : Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromautik.

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sich, was ihn eigentlich vernichtet hat, so war es im Grunde
doch nicht eigentlich oder gar allein die emporquellende Farbe.
Was zugleich und in noch viel tieferem Sinne verloren ging,
war der Geist der Romantik. Wie hatten doch die Gemälde
eines Overbeck in ihrem religiösen Zuge bei aller Unbeholfen—
heit der Darstellung, ja gerade ihretwegen zu den Herzen der
Frommen gesprochen: Keime waren sie und duftende Blüten
tiefster Stimmung. Ließ sich ein gleiches noch von Cornelius'
Gemälden sagen? Und doch spricht auch aus ihnen trotz aller
Gedankensystematik ein herbes Pathos dramatisch-ethischen Zuges.
Kaulbachs große Repräsentationsbilder dagegen wenden sich mehr
an den kombinierenden Verstand als an Empfindung und Phan—
tasie; mit Recht ist über sie geurteilt worden, daß ihr Meister,
was er darstellen wollte, ungleich präziser, besser und wahrer
in Worten hätte sagen können. Denn tatsächlich ist Kaulbach
mehr mit den literarischen Gedanken der ausgehenden dreißiger
Jahre und deren mehr wissenschaftlichem und politischem als
poetischem und philosophischem Charakter vertraut, als mit dem
Empfindungskreise der Nazarener und selbst noch Cornelius'.
Und so war denn der Verfall unvermeidlich; die blaue Blume
war abgeblüht unter den sengenden Strahlen einer herein—
brechenden Zeit des Verstandes; die Poesie der Konturmalerei
endete in dürrem Intellektualismus.
Natürlich war das Schicksal eines zweiten Zweiges der
romantischen Malerei, der inzwischen erwachsen war, kaum ein
anderes.
Die Romantik mußte, sobald sie sich des rein subjektiven
Momentes des bloßen Mystizismus entschlug, zur Farbe leicht
ein inniges Verhältnis entwickeln. Denn Farbe hieß bunte
Mannigfaltigkeit, hieß Darstellungsmöglichkeit unzähliger neuer
Reizempfindungen, hieß Schattierung der Eindrücke: und dem
Kolorismus der Musik und des Orchesters entsprach ein nicht
minder starker Kolorismus der Malerei und der Palette.
Dieser Kolorismus aber konnte sich schwerlich irgendwo
früher und leichter bilden als auf dem Gebiete der Landschaft;
denn hier drängte schon das Obiekt der Darstellung selbst mit
            
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