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frage ihrer praktischen Lösung näher zu bringen. Die sich als hohle
Phrasen erweisenden Behauptungen: daß eine beträchtliche Be-
völkerungszunahme ein Beweis der socialen Gesundheit und des
Volkswohlstandes sei, oder daß dieselbe mit der Ernährungsfähigkeit
des betreffenden Landes mindestens gleichen Schritt halte, oder gar,
daß die Vortheile der Auswanderung und der Colonisationen durch
die daraus resnltirenden Nachtheile bei weitem überwogen würden,
haben auf den urtheilsfähigen Theil der deutschen Bevölkerung nie
den beabsichtigten Eindruck gemacht, und nach Verlauf von noch
einigen Jahren dürften sich nur Wenige finden, die durch solche
Redensarten ihr Urtheil beeinflussen lassen. Dann dürfte es selbst
der verschlagendsten Dialectik nicht mehr möglich sein, die vom
Fürsten Bismarck schon vor etwa sechs Jahren versuchte Jnau-
gurirung einer Colvnialpolitik zu hintertreiben, wie dies damals
einem Reichstagsabgeordneten leider nur zu gut gelang, wodurch
sich dieser unpatriotische Mann allerdings um England zum großen
Schadeil seines Vaterlandes so verdient gemacht hat, daß er leicht
in die Lage hätte kommen können, eine ihnl von dort zugedachte
äußere Anerkennung zurückweisen zu müssen. Ist s. Z. die Absicht
der Regierung, durch Besetzuilg der Samoailiselil den Anfang zur
Coloniencrwerbung zu machen, durch die sterile Opposition vereitelt
worden, so mag sie aus jener Zurückweisung gelernt haben, wie
man sich vor den Feinden in und außer dem Reiche schützt; die
Besetzung von Angra Pequena it. s. w. hat dies bestätigt.
Allerdings ist, so schrieb vor einigen Jahren ein großes poli
tisches deuffches Blatt, die Colonisirung von Staatswegen weit
lveniger erfolgreich gewesen, als die, welche von Privaten unter
Schutz der Regierung unternommen ward. So legten in England
und Holland Privatgesellschaften den Grund zu den mächtigen
Colonialreichen dieser Länder und beide Staaten thaten lauge nichts
lveiter, als den Gesellschaften Freibriefe und Handelsprivilegien zu
ertheilen, sowie den Colonisten wirksamen Schutz zu gewähren.
Gerade, weil hier Alles der individuellen Energie der Seefahrer