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er nun Jahrzehnte lang für andere roboten muß. Das Schuldenmachen kann)
aber auch bedeuten, daß der Staat sich so mächtig entfaltet, daß er seine
Kräfte gar nicht allein zu verwerten vermag. Es kann auch eine Aktiengesell
schaft derartige Erfolge erzielen, daß sie die Absatzgelegenheiten nur dann aus
zunützen, neue Bestellungen nur dann zu übernehmen vermag, wenn sie erweitert
wird. Diese Erweiterung kann im allgemeinen in doppelter Weise erfolgen. Die
Aktiengesellschaft kann ihr Aktienkapital vermehren, indem sie Aktien emittiert,
sie kann aber auch Schulden machen, indem sie z. B. Obligationen emittiert. Die
Aktienbesitzer erhalten einen Anteil am Reingewinn, während die Obligationen
besitzer Anspruch auf fixierte Summen haben. Dem Staat steht aber nur eine
dieser beiden Formen zur Verfügung, um eine „Betriebserweiterung“ durchzu
führen: die der Obligationenemission. Der Staat kann nicht einzelnen Indivi
duen einen Anteil am Reingewinn des Staates zusprechen, da er ja kein Erwerbs-
untemehmen ist, welches ein Maximum an Reingewinn anstrebt. Es würde
auch dem modernen Empfinden widersprechen, wenn der Gewinn eines Krieges
in Geld berechnet an Aktionäre zur Verteilung käme. Es hat aber wohl schon,
Kriege gegeben, deren Erfolge unmittelbar in Dividenden zum Ausdruck kamen;
dahin gehören z. B. die Kriege der Ostindischen Kompagnie, die ein Privatunter
nehmen war, welches Indien als Erwerbsobjekt aus nützte und aus diesem Grunde
Kriege führte. Der Staat kann also seinen „Betrieb“ im allgemeinen nur mit
Hilfe von Obligationenemissionen erweitern. Der Obligationenbesitzer kann
auf diese Weise am Gedeihen des Staates Anteil haben.
Soweit der Staat Anleihen vorwiegend in Inlandsgeld aufnimmt, werden
sich die Gläubiger im Inlande aufhalten. Anleihen, welche im Auslande begeben
werden, liefern im allgemeinen Weltgeld als Erlös. Die Tatsache, daß eine
Inlandsanleihe in Papiergeld aufgenommen wird, besagt noch nichts über den
Rückzahlungsmodus. Es kann Vorkommen, daß der Staat bei der Aufnahme
der Anleihe Papier erhält, aber sich verpflichtet, die Anleihe in vollwertigem
Metallgeld zu verzinsen und zurückzuzahlen. 1868 haben z. B. die Nordstaaten
während des Sezessionskrieges eine Anleihe unter diesen Bedingungen aufge^-
nommen.
Es kommt auch der umgekehrte Fall vor. Ein Staat nimmt die Anleihe
ganz oder überwiegend in Weltgeld auf, verpflichtet sich vielleicht sogar auch,
sie in Weltgeld zurückzuzahlen,- kann dies aber dann nicht, und befriedigt alle
Gläubiger oder zumindest jene, die im Inland wohnen, mit Zeichengeld. Man
spricht in einem solchen Fall insbesondere, wenn die Kaufkraft des Zeichen
geldes gegenüber dem Weltgeld sehr gesunken ist, wohl schon von einem Staats
bankrott.
Ich will nun den Unterschied anzudeuten versuchen, der zwischen den
Wirkungen besteht, welche Anleihen und jenen, welche Steuern zur Folge haben.
Die Steuern werden in ähnlicher Weise verteilt, wie etwa die allgemeine Wehr
pflicht. Jeder wird herangezogen, es wird nicht gefragt, ob einer Geld eben,
flüssig hat oder nicht. Anders bei der Anleihe. Derjenige, welcher Geld frei
hat, wird vielleicht die Gelegenheit verwenden, es zinstragend in Staatspapieren
anzulegen, während ein anderer, der möglicherweise weit reicher ist, kein Bargeld
frei hat, oder es besser in Fabriken und anderen Unternehmungen verwenden kann.
Wir müssen uns ja darüber klar sein, daß die Entziehung großer Geldsummen
durch Kriegsanleihen häufig auf Kosten der industriellen und agrarischen Pro
duktion erfolgt, die schwer darunter leiden können. Das Aufnehmen von Anleihen
wirkt ähnlich wie das Werben von Truppen in England.
Wir dürfen aber nicht übersehen, daß durch die Anpassung der Anleihen
an die Rentabilität zwar Rentabilitätsstörungen, wie sie bei Steuern Vorkommen,
etwas verringert sind, daß aber Unternehmen, welche weniger rentabel sind
und daher durch Anleiheaufnahmen, soweit sie mit kreditiertem Geld
arbeiten, zunächst getroffen werden, gesellschaftlich oft von größter Wichtigkeit
sind, da ja die Rentabilität sich keineswegs mit dem öffentlichen
Nutzen deckt. Es sind dies Probleme sehr prinzipieller Natur, die ich hier
nur kurz anzudeuten vermochte.
Nicht unwichtig ist auch die Erörterung der Frage, wie die Aufnahme
von Anleihen auf die verschiedenen Einkommenklassen wirkt,