V. Die Motive der Zunftbildung im deutschen Mittelalter. 273
Beitrittszwang selbst, nicht, wie es oft geschieht, für dessen
sehr verschiedenartige Wirkungen und Zwecke verwandt werden
sollte“"). Unter solchen „Zwecken des Zunftzwangs“, den
„materiellen Zunftzwecken“, stellt er in den Vordergrund ,die
rechtliche Regelung des Erwerbslebens der Genossen: der ein-
zelne sollte soweit in seiner Handlungsfreiheit beschränkt werden,
daß das Interesse der Gesamtheit nicht gefährdet wurde. Bei
Handwerksarten mit weitem Absatkreis . . . erscheint von An-
fang an wie auch späterhin die Erhaltung des guten Rufes der
Kölner Ware durch strenge Bestimmungen über die Güte des
Materials und der Arbeit als die wichtigste Sorge der Zunst“?).
Für „ausschließende Tendenzen“ läßt Lösch den Zunftzwang
erst „später"“ und nur ,teilweise“ ausgenutzt werdens). Seine
Kontrolltheorie –~ so dürfen wie sie wohl bezeichnen + gilt
nach ihm freilich bloß vorzugsweise und auch für Köln, für welche
Stadt er sie zunächst nur aufstellt, nicht hinsichtlich sämtlicher
Zünfte. Um aber die Anschauung, .die ihr zugrunde liegt, in
helleres Licht zu stellen, so sei hervorgehoben, daß sie gegenüber
einer neueren Anschauung eine starke Verdienstabgrenzung
zugunsten der Handwerker bedeutet. Woher stammen die Be-
strebungen der Zünfte, die auf die Sicherung der Güte der Arbeit
abzielen? Nach Keutgen!) hat diese ganze Seite des Zunst-
wesens nicht in den ursprünglichen Absichten der Handwerker
gelegen, sondern der Rat hat sie zu solchen Bestrebungen er-
zogen. H. v. Lösch betont, daß die Handwerker von sich aus
das der Gesamtheit der Produzenten zugute kommende Renom-
mee der Ware zu sichern suchen. Man dürfe die dahin gehenden
Bestimmungen nicht (wie es gewöhnlich geschieht) als solche
zugunsten der Konsumenten den übrigen zugunsten der Pro-
duzenten erlassenen gegenüberstellen; sie bilden vielmehr, wo
sie vorkommen, einen wesentlichen Bestandteil der lettteren,
!) Ebenda S. 65 Anm. 1.
?) Ebenda S. 53 (vgl. auch v. Lösch, V.j.schr. f. Soz.- u. W.G.
1907, S. 597 ff.).
s) Ebenda S. 53 f.
2) Ämter und Zünfte S. 107 ff.
v. Below, Virtlschaftsgeschichte 2. Aufl.
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