Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Seginnender Realismus. 
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graphischen Verhältnisse nachzuweisen habe, und versuchte sich 
vor allem auch in der Durchführung des damit gegebenen 
Programmes: so zuerst in der „Erdkunde im Verhältnis zur 
Natur und zur Geschichte des Menschen“, 1817, die er auch 
als „allgemeine vergleichende Geographie, als sichere Grund— 
lage des Studiums und Unterrichts in physikalischen und 
historischen Wissenschaften“ bezeichnete. Sollte in diesen Fassungen 
noch der Geographie eine gleichmäßig unabhängige Stellung 
zu Natur und Geist gewahrt werden, so hat sich doch bald, 
und auch in dem Studienverlaufe Ritters selbst, ergeben, daß 
die Natur vielmehr zur Basis, die Geschichte aber zum Ziel 
geographischer Betrachtung gemacht werden mußte. Natürlich 
aber kam in diesem Falle alles darauf an, wie der Weg auf⸗ 
gefaßt und gestaltet wurde, auf dem dies Ziel zu erreichen 
war. Hier war nun klar, daß eine erste Aufgabe in nichts 
anderem als in einer Beschreibung der Erdgestaltung mit Rück— 
sicht auf historische Gegebenheiten bestehen konnte. Diese 
Morphographie vor allem hat nun Ritter in seiner späteren 
großen Geographie meisterhaft gehandhabt. Darüber hinaus 
aber konnte man dann zu einer vergleichenden Zusammenfassung 
verwandter Gestaltungen fortschreiten und untersuchen, in welcher 
Weise diese abweichend oder identisch auf geschichtliches Geschehen 
gewirkt hätten. Auch eine solche vergleichende Geographie hat 
Ritter früh ins Auge gefaßt; und eben zu ihr wurde er vor allem 
durch Alexander von Humboldt, mit dem er innige persönliche 
Beziehungen hatte, immer wieder angeregt. Allein indem er 
hier den geographischen Faktor stärker als den historischen, 
ja sozusagen fast isoliert ins Auge faßte, verschob sich ihm nicht 
selten das Objekt der Forschung und trübte sich sein Blick: 
und wo er Bedingungen festzustellen hatte, da sah er geo— 
graphische Ursachen menschlicher Geschichte. Es war ein Abweg 
der Forschung, der in einer Zeit, da Hegels posthumer Einfluß 
stark auf alle Wissenschaften wirkte, nicht ohne Bedenken war; 
wie sich, betrat man ihn ganz, die Betrachtung der Dinge ver— 
schieben konnte, das zeigt vielleicht am besten Kapps Philosophie 
der Erdkunde vom Jahre 1845.
	        
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