Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Beginnender Realismus. 
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und Betrachtung; das, was man für eine etwas spätere Zeit 
im Sinne einer levis nota Historismus genannt hat, bildete 
sich: bis die ganze Richtung schließlich in antiquarischen 
Interessen, im Bereiche der politischen Geschichte in einer ver⸗ 
fassungsgeschichtlichen, den lebendigen Kräften des Daseins ent— 
fremdeten Archäologie, im Bereiche der Kunstgeschichte wie der 
Phantasietätigkeit überhaupt in innerlichst kunstgewerblichen Be⸗— 
trachtungen und Studien endete. 
Es war ein Verlauf, der in verwandter Weise auch bei 
den europäischen Schwesternationen hervortrat, in Deutschland 
aber schon deshalb besonders akzentuiert erschien, weil unser 
Volk mehr als andere Träger der romantischen Strömung ge— 
wesen war. Denn in England und Frankreich und noch mehr 
in Italien ist die Romantik doch vornehmlich eine literarische 
Erscheinung gewesen; im Lande. der Dichter und Denker aber 
hatte sie eine volle Periode moderner Mystik bezeichnet. Und 
so wurde denn in Frankreich aus der der Romantik folgenden 
realistischen Bewegung bei ihrer Ruhe und Reinheit schöpferisch 
sehr früh in einer neuen Synthese der possibilistische Evolutio— 
nismus Comtes geboren: Deutschland aber wurde in dieser 
Zeit nicht nur nicht zur Wiege eines neuen abgeschlossenen 
und wohlgeklärten philosophischen Systems, sondern die neue 
französische Philosophie fand sogar innerhalb seiner philosophisch 
sonst so aufnahmefreudigen Grenzen kaum einen Widerhall. 
Und nur dies eine trat in der deutschen, sehr scharf und darum 
widerspruchsvoll und in sich abgerissen verlaufenden Entwicklung 
deutlich hervor, daß um die Mitte der vierziger Jahre ganz 
allgemein ein neuer, in der wissenschaftlichen Einzellehre rea— 
listischer Zustand der Dinge erreicht war: wie die Formulierung 
des Gesetzes von der Erhaltung der Energie, so gab das fast 
gleichzeitige Erscheinen des ersten Bandes der Deutschen Ver—⸗ 
fassungsgeschichte von Waitz und von Sybels Buch über die 
Entstehung des deutschen Königtums im Jahre 1844 hierfür 
ein vollgültiges Zeugnis. 
Zu größerer Klärung hätte die deutsche geisteswissenschaft⸗ 
liche Entwicklung bis zur Mitte der vierziger Jahre wohl am
	        
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