Konkttrsbilanzen.
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Auseinandersetzung über das Gesellschaftsvermögen erfolgt,
wenn nicht anders vereinbart wurde, im Wege der Liquidation
(§ 145 HGB.), falls nicht die Gesellschaft selbst dem Konkurs
verfällt.
Das folgende Beispiel behandelt die Zahlungseinstellung des
Bankhauses Haller, Soehle & Co. in Hamburg und gibt einen
instruktiven Einblick in die Verhältnisse vor der Konkurseröff
nung. Besonders interessant ist das Verhältnis der Buchwerte
zu den angenommenen Liquidationswerten (vgl. S. 394).
Die Bilanz von Haller, Soehle & Co. am 31. Dez. 1906
Aktiva nach dem Bericht des Liquidators. Passiva
M
Diverse Effekten 1 697 003,84
Grundstück Mittelweg . 532 980,82
Grundst. Adolfsplatz . . 215 168,96
Vereinsbankkonto 70 453,23
Reichsbankkonto 4 312,61
Kassakonto 23121,31
Diverse Wechselkonti.. 33 941,01
Diverse Debitoren ... .26 438 222,94
M
Kapitalkonto 5 216 302,26
Reservekonto 1 902 523,32
Provisionskonto
Vortrag 30 000,—
Hypothekenkonto
Mittelweg 422 500,—
Adolfsplatz ...... 190 000,—
Akzeptenkonto 13 443 617,69
Diverse Kreditoren ... 7 810 261,45
29 015 204,72
29 015 204,72
Kritik: Auffallend ist der enorme Betrag der Akzeptver
bindlichkeiten. Primadiskonten haben in der Regel eine Lauf
zeit von höchstens 3 Monaten. Dies angenommen, ergibt, daß
die Firma durchschnittlich etwa für 150 000 M. Akzepte täglich
einzulösen hatte. Diesen Verbindlichkeiten, auch mit Rücksicht
auf den Kupontermin am 2. Januar und den unter den Kreditoren
verrechneten täglich fälligen Verbindlichkeiten, stehen vollstän
dig ungenügende Deckungsmittel zur Verfügung. Das Reichs
bankguthaben ist außerordentlich gering. Von den Debitoren
entfallen 7,76 Mill. auf „Partizipationsvertragskonto der Wessel-
ner Koks- und Kaumazitwerke“, d. h. aus Finanzierungsgeschäf
ten, die bei der Zahlungseinstellung in Höhe von 8 035 524,87
als Verlust abgeschrieben werden mußten. Dieses Werk be
schaffte sich flüssige Gelder durch Trassierung der Kontokorrent-
Salden auf die finanzierende Firma (s. Liquidationsbilanz: Gut-