Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges 489 
er lähmte nur seine Aktion durch das Gegengewicht ihm er— 
gebener Räte; und ein glücklicher Zufall wollte, daß der lästige 
Minister schon im Jahre 16041 starb. 
Im übrigen war die Ordnung der pommerschen Erbschaft 
eine der wichtigsten Sorgen des neuen Herrschers. Friedrich 
Wilhelm sah wohl ein, daß der Eintritt in das Erbe gegen 
Schweden unmöglich war. Und so ging er mit dieser Macht, 
die auch seiner politischen Grundrichtung in dieser Zeit am 
nächsten stand, im Jahre 1641 einen Waffenstillstand ein, der 
bis zum Abschluß des Westfälischen Friedens gedauert hat. 
Schließlich aber mußte die große Liquidation der zentral⸗ 
europäischen Forderungen, die der Westfälische Friede bedeutete, 
auch über die brandenburgischen Ansprüche auf Pommern ent— 
scheiden. Doch das Ergebnis war schmal genug: Hinter— 
pommern, während den Schweden Stettin mit Vorpommern 
und damit die Herrschaft über die pommersche See und den 
pommerschen Fluß, die Oder, zufiel. Und damit nicht genug, 
fügten die Schweden zur Übermacht auch noch die Gewalt; 
nachdem man sich, in langen Verhandlungen noch nach dem 
Frieden, über alles einzelne geeinigt zu haben schien, nahmen 
sie Landesteile am rechten Oderufer weg, die ihnen nicht zu— 
standen, und belegten die brandenburgisch-hinterpommerschen 
Häfen gegen alles Vertragsrecht mit Lizenten. Es schien wie 
ein letzter Abschluß des allgemeinen schwedisch-baltischen See— 
zollsystems: von einer Herrschaft des Kurstaates auch nur an 
der eigenen Küste, geschweige denn von einem Condominium 
maris baltici war trotz des Besitzes von Vreußen nicht die 
Rede. 
Unter diesen Umständen konnten nur allgemeine Verände— 
rungen der Machtlage im Balticum Brandenburg Luft schaffen. 
n ein Umschwung in dieser Hinsicht lag allerdings in der 
uft. 
War die politische Oberherrschaft Schwedens über die 
Ostsee von Polen und Brandenburg so gut wie unbestritten, 
so stand hinter Polen um so mehr eine Macht, die instinktiv 
zum Meere drängte: Rußland; schon Gustav Adolf hatte es
	        
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