Contents: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

los 
Bildende Kunst. 
daille. Später sind auch in England die Landschaftsmaler 
seines Weges gezogen, wenngleich der volle technische Impressio— 
nismus sich dort seit den fünfziger Jahren schließlich auf ganz 
anderem Wege, nämlich aus der eingehendsten naturalistischen 
Behandlung jeder kleinsten Einzelheit durch die Prärafaeliten, 
entwickelt hat. 
In Frankreich hatte schon die erste Zeit erwachender bürger⸗ 
licher Kultur einen Versuch erlebt, in lichten Farben zu malen: 
bereits Watteau ging ins Helle und noch weit mehr van Loo 
(1705 - 1765) und Boucher (1703 1770). Allein sie alle, 
ohne dauernd durchzudringen. Vielmehr trat durch den Ein— 
luß der großen Italiener, namentlich Rafaels und Tizians, und 
im Zusammenhang mit den Einwirkungen der hellenischen Re— 
naissance bald eine Verdunkelung der Palette ins Bräunliche, 
Graue und Gelbliche (foncé) ein: zu der Zeit, da die Deutschen jede 
Farbe fast verloren, erhielten sich die Franzosen wenigstens die 
Farbenkunst der David und Genossen, die Palette des Klassi— 
zismus. Von diesem Kanon aus, der sich mit der langen 
Dauer des französischen Klassizismus in gewissen Abwand— 
lungen bis auf Ingres und seine Schule erhielt, haben die 
Franzosen dann in einer oberen Strömung der Malerei, ähnlich 
wie die Deutschen, eine Art freilich viel freieren kunstgeschicht⸗ 
lichen Wiederholungskurses durchgemacht: da wird Prudhon 
während des ersten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts in der 
Behandlung der klassizistischen Farbenwerte besonders fein, da 
geht Géricault zu der neuen, freilich recht brutalen Farben— 
gebung eines leuchtenden Kolorismus über, bis Delacroix 
(1799 1863) als Stürmer und Dränger den endgültigen 
Fortschritt bringt, der eben noch innerhalb der alten Kunst des 
17. Jahrhunderts denkbar war: wunderbar glühende Farben, 
namentlich ein brennendes Dunkelrot, die Raumtiefe noch ge— 
schaffen durch Rembrandtsches Helldunkel, der landschaftliche 
Hintergrund fast zu verwechseln mit der Technik des Rubens. 
In dieser Richtung haben dann Maler, wie Decamps, Fleury, 
Chassériau und gröber Couture (1815—1879), der Lehrer der 
Deutschen, fortgeschaffen; doch bleibt in dem hier gegebenen
	        
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