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Bildende Kunst.
füllung verwandten: sie waren doch im Grunde zu modern,
zu christlich vor allem, um sie nicht zu lieben. Und so schuf
schon ihre erste Generation eine, freilich oft in geschmackloser
Buntheit angewandte Palette kalten Tones (blauer Grund—
farbe), die wie eine abgeblaßte Palette des Rokokos aus—
sieht und gewiß auch zu dieser Beziehungen hat; und die
späteren Generationen gingen erst recht, wenn auch immer
noch mit Zurückhaltung, ins Farbige.
Ehe indes dieser Fortschritt eintrat, vereinigte ein ge—
waltiger Meister, Cornelius (1783—-1867), in seinem Können
gleichsam Klassizismus und Romantik, indem er mehr romantisch
von Dürer ausging, später aber Anregungen vornehmlich von
dem italienischen Cinquecento, der Höhezeit der ersten großen
Renaissance, erhielt und indem er zugleich, ein Moment, das
in die Zukunft wies, starke Einwirkungen jener historischen Be—
trachtungsweise der Dinge erfuhr, die seit den dreißiger
Jahren ein immer wichtigeres Element des allgemeinen Denkens
zu werden begann. Sein Nachfolger, freilich nicht recht wert,
hm die Schuhriemen zu lösen, war Wilhelm von Kaulbach.
Inzwischen aber war mit leisen Rucken von der Umriß—
kunst aus hin zur wirklichen Farbe und nicht mehr bloß zu
farbiger Konturfüllung ein Fortschritt auf der Bahn des großen
Wiederholungskurses gemacht worden, der den berechtigten
Tendenzen der Zeit selbst verdankt ward. Für gewisse Gegen—
stände, die sich nun einmal nicht antikisieren und romantisieren
ließen, hatte sich ein gesunder Realismus ausgebildet, ein
Realismus, der schon ein wenig nach dem Impressionismus hin—
schielte, ohne doch bereits als sein unmittelbarer Vorgänger
gelten zu können: man hatte handfeste Militärbilder, topo—
graphisch deutlich erkennbare Landschaften und unstilisierte,
wirklich ähnliche Bildnisse malen gelernt. Es war einstweilen
eine stille Winkelkunst, die zunächst abgelegen in unakademischen
Orten, wie Nürnberg oder Hamburg, blühte; aber auch in Wien
und Berlin trat sie auf, und in München machte sie sogar dem
großen Cornelius zu schaffen.
Hängt es mit der Strömung auf mehr Wirklichkeit, die