Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst.

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in diesen kleinen Anfängen fühlbar ist, zusammen, daß sich auch
bon den Romantikern seit Schadows Leitung der Düsseldorfer
Akademie (1826f.) eine mehr der Wirklichkeit zugewandte
Schule loslöste? Schadow kam von den Romantikern her,
hatte aber in Rom französischen Kolorismus schätzen gelernt:
denn die Franzosen waren niemals einer solchen Farben—
verwüstung unterlegen als die Deutschen; davor hatte sie das
bei ihnen wirklich lebendige Ausleben eines eigenständigen
reichen Rokokos und der viel geringere Einfluß der hellenischen
Renaissance bewahrt. Französische Zusammenhänge bestimmen
also schon hier mit die deutsche Entwicklung: wie oft werden
wir ihnen noch im Verlauf der deutschen Malerei des 19. Jahr—
hunderts begegnen! Freilich darf man sich nun den Kolorismus
der Düsseldorfer Schule nicht zu stark vorstellen, so außer
ordentliches Aufsehen er bei seinem Auftauchen in den Kunst—
ausstellungen, namentlich in Berlin, als eine unerhörte Kühn—
heit machte. Es war eine Farbigkeit im Sinne der Über—⸗
gangszeit vom 16. zum 17. Jahrhundert, beileibe noch nicht etwa
Rubens oder gar Rembrandt, und daneben noch sehr, sehr viel
Zeichnung — das Ganze ein wenig flau, „schön“, nach unserer
Auffassung Farbendruck — aber angewandt doch schon auf
neue Gebiete, so die Landschaft (die Achenbachs, Lessing), das
bald „so beliebte“ Düsseldorfer Sittenbild (wobei aber die Eng—
länder, namentlich Wilkie, Pate standen) und auch auf die
Historie im damaligen Verstand, namentlich die ölbildliche
Illustration der Klassiker.
Weitergeführt wurde der allgemeine Repetitionskurs der
Entwicklung der Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert mit
einem großen Sprung Anfang der vierziger Jahre, der un—
mittelbar den Vlamen, mittelbar den Franzosen verdankt wurde.
Die Franzosen hatten, wie schon bemerkt, niemals den
Kolorismus verloren. Und sie hatten ihn seit den zwanziger
Jahren, damals, als in Frankreich der Historismus mit Michelet,
Mignet, Thiers, Thierry, Guizot seine großen Triumphe zu
feiern begann, zur Entwicklung einer neuen Geschichtsmalerei
ausgenutzt, nachdem schon vorher die koloristischen Romantiker,
            
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