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Bildende Kunst.
errungenen Eigenschaften behalten: regen Sinn für technischen
Fortschritt, dabei Großzügigkeit und Einfachheit, beides aber in
der weichen Umwelt der ausgesprochensten Erscheinungen der
Luft und des Lichtes. Spuren dieser Auffassung zeigte Lieber—
mann schon, da er noch vor dem Pariser Aufenthalt als
Schüler der Weimarer Akademie das Volk bei seiner Arbeit zu
belauschen begann („Gänserupferinnen“ von 1872). Und Fort—
schritte in ihr brachten, freilich unter starkem Einfluß Millets,
die „Arbeiter im Rübenfeld“, die „Schusterwerkstätte“, die
„Bleiche“ und das „Münchener Bierkonzert“. Ganz aber fand
sich Liebermann doch erst in holländischen Vorwürfen; da ist
eines seiner schönsten Bilder der „Hof des Waisenhauses zu
Amsterdam“ (1881) geworden, wenn auch andere Stücke, wie
die „Frau mit den Ziegen“ oder der „korbtragende Mann“ in
Dünenlandschaft, charakteristischer sein mögen: denn vor allem
weiß er den milden Silberglanz einer von Sonnenlicht durch—
wirkten, von keinerlei Baulichkeiten eingeengten Luft zu erfassen.
Im übrigen blieb Liebermann in Deutschland als Meister
der neuen Kunst nur kurze Zeit allein, wenn er auch zunächst
alle Stöße widerwilliger Aufnahme und höhnender Ablehnung
zu ertragen hatte. Verhältnismäßig rasch drang die neue Art
durch, und nach fünfzehn Jahren etwa hatte sie gesiegt — und
mit ihr eine große Anzahl auch der Fortschritte, die in Frank⸗
reich zu Manet und, wie wir gesehen haben, über Manet hin⸗
aus geführt haben. Ja wie die Vlamen so sind auch die
Deutschen ein Volk eifriger Experimentierer geworden; und wie
die Fortschritte zur Lichtkunst sich in Frankreich bei genauerer
Betrachtung als weniger von den romanischen denn von den
germanischen Bestandteilen der Nation getragen ergeben, wie
Italiener und Spanier auf diesem Gebiete künstlerischer Ent—
wicklung fast ganz unfruchtbar geblieben sind, so haben sich
neben Deutschen und Vlamen vor allem auch die Nordgermanen
der neuen Technik angenommen, auch sie, wie Deutsche und
Vlamen, Bewohner nebelreicher, sonnendunstiger Länder, eines
Himmelsstriches, in dem sich das Licht empfänglichen Augen mit
der Wucht des Körperlichen aufdrängt.