Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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Unter den Berliner Meistern ist Skarbina, mit Liebermann 
im gleichen Jahre 1849 geboren, vor allem der Mann des Ex— 
periments geworden, ein technischer Tausendkünstler und Hexen— 
meister, nebenher ein Verehrer des Prickelnden. Von Pariser 
Boulevardscenen ausgehend wurde er seit etwa der Mitte der 
achtziger Jahre weit mehr, als das Liebermann je gewesen, 
Vertreter einer raffinierten Lichtkunst auf deutschem Boden. 
Dabei fand er seine Stoffe, nachdem er eine Zeitlang nach 
holländischer Art geschaffen hatte, vor allem auch im Leben 
der deutschen Großstadt des Nordens und hier wieder 
vielfach im Reiche des Pikanten; er zuerst hat in Deutsch— 
land den Reizen des Weibes in der neuen Malweise ge— 
huldigt. Neben Skarbina trat dann in noch jüngerer Zeit 
Walter Leistikow als Berliner und märkischer Landschafter 
auf, — freilich, um rasch jenen Übergang zu einer idealistischen 
Malerei zu vollziehen, der einer vollendeten Lichtkunst so 
leicht wird. 
Im ganzen aber wurde die neue Art nicht in Berlin zu— 
erst heimisch, sondern vielmehr in München, das sich seit 1870 
immer mehr zur künstlerischen und geistigen Hauptstadt des 
Südens entwickelt hat. Da war im Jahre 1886 Piloty ge— 
storben; Pilotys große Schüler, Defregger, Max, Lenbach, 
standen im Zenith ihres Ruhmes, — es war ein freier Mo— 
ment, während dessen die Lichtkunst alsbald eindrang. Früheste 
Vertreter waren hier Albert Keller, der freilich nicht zu allen 
Konsequenzen des Systems fortschritt; dann der wunderliche 
Freiherr von Habermann; klar vor allem und nicht ohne an 
Leibls körperhafte Gegenständlichkeit zu erinnern, der Graf 
Kalckreuth der Jüngere mit seinen großfigurigen Bildern; ferner 
Kühl, der Maler fein empfundener Innenansichten, namentlich 
von Kirchen und alten Rathäusern und von Straßenscenen in 
dem dunstigen Gemisch von Regen und Nebel; endlich unter 
den Tiermalern Zügel, und unter den Bewältigern künstlichen 
Lichts, namentlich in Bildern aus der Gesellschaft, Heinrich 
Schlittgen. 
Inzwischen aber hatte sich die neue Art auch sonst in den
	        
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