Bildende Kunst.
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Unter den Berliner Meistern ist Skarbina, mit Liebermann
im gleichen Jahre 1849 geboren, vor allem der Mann des Ex—
periments geworden, ein technischer Tausendkünstler und Hexen—
meister, nebenher ein Verehrer des Prickelnden. Von Pariser
Boulevardscenen ausgehend wurde er seit etwa der Mitte der
achtziger Jahre weit mehr, als das Liebermann je gewesen,
Vertreter einer raffinierten Lichtkunst auf deutschem Boden.
Dabei fand er seine Stoffe, nachdem er eine Zeitlang nach
holländischer Art geschaffen hatte, vor allem auch im Leben
der deutschen Großstadt des Nordens und hier wieder
vielfach im Reiche des Pikanten; er zuerst hat in Deutsch—
land den Reizen des Weibes in der neuen Malweise ge—
huldigt. Neben Skarbina trat dann in noch jüngerer Zeit
Walter Leistikow als Berliner und märkischer Landschafter
auf, — freilich, um rasch jenen Übergang zu einer idealistischen
Malerei zu vollziehen, der einer vollendeten Lichtkunst so
leicht wird.
Im ganzen aber wurde die neue Art nicht in Berlin zu—
erst heimisch, sondern vielmehr in München, das sich seit 1870
immer mehr zur künstlerischen und geistigen Hauptstadt des
Südens entwickelt hat. Da war im Jahre 1886 Piloty ge—
storben; Pilotys große Schüler, Defregger, Max, Lenbach,
standen im Zenith ihres Ruhmes, — es war ein freier Mo—
ment, während dessen die Lichtkunst alsbald eindrang. Früheste
Vertreter waren hier Albert Keller, der freilich nicht zu allen
Konsequenzen des Systems fortschritt; dann der wunderliche
Freiherr von Habermann; klar vor allem und nicht ohne an
Leibls körperhafte Gegenständlichkeit zu erinnern, der Graf
Kalckreuth der Jüngere mit seinen großfigurigen Bildern; ferner
Kühl, der Maler fein empfundener Innenansichten, namentlich
von Kirchen und alten Rathäusern und von Straßenscenen in
dem dunstigen Gemisch von Regen und Nebel; endlich unter
den Tiermalern Zügel, und unter den Bewältigern künstlichen
Lichts, namentlich in Bildern aus der Gesellschaft, Heinrich
Schlittgen.
Inzwischen aber hatte sich die neue Art auch sonst in den