Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende KRunst.

daß die Anschauungsintensität des jüngsten, impressionistischen
Naturalismus an ihrer Grenze angelangt ist, — und in der
That hat schon mindestens das letzte Jahrzehnt nichts grund—
sätzlich Neues mehr gebracht. Damit können denn auch die
Verdienste der großen Maler möglichst reiner Wirklichkeit schon
heute einigermaßen geschichtlich geschätzt werden. Wer würde
heute noch verkennen, daß der physiologische und der psychologische
Impressionismus, der letztere auch für Deutschland zuerst in
Frankreich vorbildlich durchgebildet, dann aber wie die frühere
Stufe doch auch selbständig entfaltet und erst recht selbständig
fortentwickelt, in der That eine höhere Stufe der malerischen und
damit überhaupt der künstlerischen Phantasiethätiakeit herauf—
geführt haben?
Aber ist dies Verdienst ein im höchsten Sinne einzig—
artiges? So wie jedes Volk in den Anfängen der Entwicklung
seine ornamentale Kunst hat, so macht es im seelischen Verlaufe
seines Lebens andere Perioden seiner Phantasiethätigkeit durch,
und bei ungehinderter, nicht zu früh durch störende Gewalten
abgebrochener Entfaltung wird es auch sein Zeitalter des Im—
pressionismus erleben: so wie es z. B. die Japaner, nicht ohne
starke Einwirkung auf die europäische Kunst, erlebt haben und
noch erleben. Es handelt sich hier nicht um im höchsten Sinne
singuläre Vorgänge, sondern zunächst nur um regelmäßige Ent—
wicklungserscheinungen nationalen Seelenlebens, wenn diese
Erscheinungen wohl auch im Verlaufe aufeinander folgender
Völkergeschichten in jeweils höheren Accentuierungen auftreten,
wie diese der Aufnahme steigernder und stärkender Elemente
früherer Kulturen verdankt werden. Und weil dem so ist, so
gehören die Künstler, die sich in erster Linie der Fortbildung
des Wirklichkeitssinnes widmen, auch der Periode des Wirk—
lichkeitssinnes, die sie schaffen, im besonderen an; diesseits wie
jenseits derselben fehlt vielfach die feinste seelische Verwandt—
schaft, um ihre Leistungen voll zu würdigen: sie sind Diener
und Helden vornehmlich der Gegenwart: horae inserviendo
consumuntur.
Aber neben ihnen giebt es andere Erscheinungen, Künstler,
            
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