Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst.

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Aber schließlich stand ihm fest, daß die künstlerische Thätigkeit
nur auf die Idealisierung des Sichtbaren gehen könne, und daß
es hierzu nötig sei, sich die Natur in allen Einzelheiten ihrer
Wirksamkeit so völlig zu eigen zu machen, daß es möglich sei,
aus ihrer intimsten Kenntnis her reproduzierend zu schaffen,
ohne noch eines besonderen Studiums für den einzelnen Fall
zu bedürfen. Also grundsätzlich zunächst absoluter Naturalis—
mus — und das hieß doch um 1865 schon wenigstens physio—
logischer Impressionismus? —, aber dieser Naturalismus nicht
eindrucksweise angewandt, sondern seinem Inhalte nach zu—
sammengefaßt zu größeren Gedächtnisgruppen, die dann typische
und somit idealisierte Formen der Eindrücke ergeben sollten,
wenn sie im Bilde zur Darstellung gelangten. Oder anders
ausgedrückt: gedächtnismäßige Zusammenfassung der Einzel—⸗
eindrücke zu Eindruckssammlungen; und diese Eindrucks—
sammlungen Formen der Darstellung.
Marses brachte zur Verwirklichung seiner Absicht ein un—
glaubliches Formengedächtnis mit; auf seinem letzten Karton
waren Akte aus dem Kopf gezeichnet, die sich von anderen,
später nach dem Modell gezeichneten als in keiner Weise ver—
schieden erwiesen. Bei diesem Formensinn lag es ihm nun
nahe, den Schwerpunkt seiner Malerei vor allem in die plastische
Modellierung der Figuren und in die Wiedergabe der Umrisse und
der Raumtiefe zu verlegen, soweit nicht etwa eine Typisierung von
Eindrücken schon ohne weiteres und naturnotwendig wieder zur
stärkeren Betonung der Form zurückführte. In diesem Sinne
hat er denn zu schaffen versucht, und darnach wählte er sich
seine Gegenstände: einfache Wiesengründe, sanft hügeliges Ge—
lände, mäßige Baumgruppen, ab und zu ein Wasserspiegel,
eine ferne Berglinie, — vor allem aber in der Landschaft
große, meist nackte Figuren, auch Tiere, insbesondere Pferde,
und dementsprechend zumeist antike Stoffe: „Urteil des Paris“,
„Raub der Helena“, „Amazonenschlacht“, Hesperidenbilder mit
dem ständig wiederholten Motiv des Orangenpflückens u. a. m.
In diesen und verwandten, teilweis auch mittelalterlichen
Scenen bestrebte sich nun Marées, einer geschlossenen Gesichts—
            
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