Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
vorstellung Ausdruck zu geben und zugleich in allgemeinen 
Formen die denkbar höchste Illusion der Wirklichkeit zu erreichen. 
Aber es gelang ihm nicht, sich genug zu thun. Immer und 
immer wieder übermalte er, was andere oft in der ersten Aus— 
führung als am besten gelungen gefunden hatten, malte und 
malte, und zerstörte, was er geschaffen. 
Das ist die Tragik dieses Künstlerlebens — die Tragik 
unzulänglicher Kräfte bei hoch gespannten Zielen. Es ist 
die größte Seite an Marses, daß er dieser Tragik nicht unter— 
legen ist. Er zwang sich zum Glauben an sich, und darum 
unterzwang er diesem Glauben auch andere. Derselbe Mann, 
der einsam und auftraglos bei verschlossener Werkstatt malte, 
der im Kunsthandel keinen Namen hatte, begeisterte die besten 
jungen Kräfte durch die Macht seiner Lehre — und wurde so 
mit zum Erzeuger und Beseeler einer neuen idealistischen 
Kunst. Was er gewonnen hatte und was man bei ihm 
gewann, das war der rücksichtslose, heilige Idealismus einer 
jüngsten, dem modernen Auge entsprechenden bloßen Formen— 
kunst — einer Formenkunst hinaus über das Wissen und 
Können Feuerbachs. 
3. Feuerbach schreibt in seinem Vermächtnis: „Rom, dieser 
gottbegnadeten Insel des stillen Denkens und Schaffens, habe 
ich so viel zu danken. Es ist mir in Wahrheit eine zweite 
Heimat geworden, und immer wenn mein künstlerisches Denk— 
vermögen in Deutschland brachgelegt wurde, durfte ich nur die 
italienische Grenze überschreiten, und eine Welt von Bildern 
stieg in mir auf. Bei einfacher Lebensweise erinnere ich mich 
während eines Zeitraums von beinah siebzehn Jahren kaum 
eines körperlichen Unwohlseins. Mein reizbares Wesen wich 
einer angeregten Ruhe, die mich fortan auch in Gefahren nicht 
verließ. Ich fing an, das Alleinsein zu lieben, das ich früher 
so schwer ertragen hatte.“ 
In Rom hat Maröées gelebt, in Rom ist Klinger gereift; 
Rom war auch die Lehrmeisterin Böcklins.
	        
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