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Bildende Kunst.
vorstellung Ausdruck zu geben und zugleich in allgemeinen
Formen die denkbar höchste Illusion der Wirklichkeit zu erreichen.
Aber es gelang ihm nicht, sich genug zu thun. Immer und
immer wieder übermalte er, was andere oft in der ersten Aus—
führung als am besten gelungen gefunden hatten, malte und
malte, und zerstörte, was er geschaffen.
Das ist die Tragik dieses Künstlerlebens — die Tragik
unzulänglicher Kräfte bei hoch gespannten Zielen. Es ist
die größte Seite an Marses, daß er dieser Tragik nicht unter—
legen ist. Er zwang sich zum Glauben an sich, und darum
unterzwang er diesem Glauben auch andere. Derselbe Mann,
der einsam und auftraglos bei verschlossener Werkstatt malte,
der im Kunsthandel keinen Namen hatte, begeisterte die besten
jungen Kräfte durch die Macht seiner Lehre — und wurde so
mit zum Erzeuger und Beseeler einer neuen idealistischen
Kunst. Was er gewonnen hatte und was man bei ihm
gewann, das war der rücksichtslose, heilige Idealismus einer
jüngsten, dem modernen Auge entsprechenden bloßen Formen—
kunst — einer Formenkunst hinaus über das Wissen und
Können Feuerbachs.
3. Feuerbach schreibt in seinem Vermächtnis: „Rom, dieser
gottbegnadeten Insel des stillen Denkens und Schaffens, habe
ich so viel zu danken. Es ist mir in Wahrheit eine zweite
Heimat geworden, und immer wenn mein künstlerisches Denk—
vermögen in Deutschland brachgelegt wurde, durfte ich nur die
italienische Grenze überschreiten, und eine Welt von Bildern
stieg in mir auf. Bei einfacher Lebensweise erinnere ich mich
während eines Zeitraums von beinah siebzehn Jahren kaum
eines körperlichen Unwohlseins. Mein reizbares Wesen wich
einer angeregten Ruhe, die mich fortan auch in Gefahren nicht
verließ. Ich fing an, das Alleinsein zu lieben, das ich früher
so schwer ertragen hatte.“
In Rom hat Maröées gelebt, in Rom ist Klinger gereift;
Rom war auch die Lehrmeisterin Böcklins.