Bildende Kunst.
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Böcklin, der 1827 zu Basel geboren und 1901 auf seiner
Villa bei Florenz gestorben ist, war ein geborenes Farben⸗
genie. So fand er bei Schirmer in Düsseldorf, dem letzten
großen Jdylliker der klassizistischen Landschaft, leidliche Förderung,
sehnte sich aber doch — es war in den vierziger Jahren, in
denen man in Deutschland zunächst die Vlamen kennen gelernt
hatte — nach dem stärkeren historischen Kolorismus von Brüssel
und Paris. Freilich haben ihn dann in Brüssel Rembrandt
und Rubens schließlich weniger angezogen als die van Eycks,
Roger van der Weiden, Memling und Bouts: ihre Farbenwelt,
wie sie fast in den magischen Tönen sonnendurchglühter Glas—
fenster leuchtet, nahm ihn alsbald gefangen, und unter diesen
Meistern wirkte wieder am meisten Bouts auf ihn, der am
wenigsten erzählt, am meisten anschaulich hinstellt. Und in
Paris erging es ihm ähnlich; auch hier fruchteten die modernen
Lehren wenig und als dauernde Eindrücke seines Aufenthaltes
blieben ihm fast nur einige miterlebte Scenen der Revolution.
Aber schon 1850, zweiundzwanzigjährig, fand Böcklin das
Land seiner Verheißung, Italien. Und hier blieb er zunächst
sieben Jahre in Rom — Jahre schwerer Entbehrung, die ihn
doch nicht niederdrückten: in einem Augenblick höchster Not
hat er, nach wenigen Tagen der Bekanntschaft, ein armes
Römermädchen geheiratet. In dieser Zeit begann er seinen
Sinn für Kolorismus, seinen Zug zur dichterischen Belebung
bis hin zur Fabelwelt, sein besonderes Stilgefühl und ins—
besondere seinen ganz ungewöhnlich anschaulichen Raumsinn
auszubilden und in Eins zu verschmelzen, begann er ein selb—
ständiger Künstler zu werden. Denn Rom bot alles, um ihn
in seinen angeborenen Neigungen zu fördern: architektonischen
Charakter der Landschaft, lebendige Farbenwelt, tausend starke
Eindrücke auf die Phantasie — und jene Stille, die für jede
Konzentration reicher Kräfte notwendig ist. Er skizzierte viel
nach der Natur, vor allem aber durchstreifte er Gebirg und
Flachland, um zu sehen, zu sehen allein, und so in seinem
unglaublich aufnahmefähigen Gedächtnis aufzuspeichern, was
seine Phantasie so mit Fornigehalt erfüllen konnte, daß sie