Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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seiner Entwicklung zurück: auf das malerische Element, auf 
die Phantastik der Darstellung, auf eine Formengebung, die 
vor allem einer vagen, mehr musikalisch gearteten Einbildung 
entgegenkommt: nichts bezeichnender, als daß die Aquatinta— 
manier wieder stärker auftritt und daß das Werk in seiner 
Gliederung, seinen Intermezzi und stimmungsvoll gesteigerten 
Teilen wie an die Formen der Musik so am meisten unter 
allen Werken der darstellenden Kunst an die Jugend— 
schöpfung der Ovidischen Rettungen erinnert. Und auch die 
Ausführung trägt malerischen Charakter: neben Tönen von 
zartester Feinheit, einer Wiedergabe namentlich der Fleischtöne 
wie auf dem durchscheinenden Fadengewebe dünnen Batists, 
steht da, wo es der malerische Ausdruck verlangt, breite, ja 
flüchtige Behandlung. 
Die beiden anderen Werke aber, die Cyklen vom Tode, 
bringen mit ihrem ernsten idealischen Gehalte, mit ihren tiefen 
Grübeleien über das Wesen von Mensch und Schicksal den 
Verzicht auf alle spielenden Formen früherer Jahre: die reiche 
Ornamentik fällt dahin zu Gunsten gelegentlich angewandter 
schwerer Architektonik, namentlich romanischen Barocks; und die 
heitere Fabelwelt halb humoristisch, halb grotesk behandelter 
Zwischenwesen zwischen Natur und Mensch ist abgestorben. 
Die reliefmäßige Komposition der Scene, vereinzelt schon früher 
berwendet, wird nun zur Regel; und riesenmäßig, als statuarische 
Kolosse erscheinen die menschlichen Körper vor tief gelegtem 
Horizont. Und was für Körper! Jetzt erscheint das neue Körper⸗ 
ideal nun auch im einzelnen durchgebildet, und der Künstler ver— 
liert sich in die entzückende Betrachtung und Wiedergabe 
jeder Einzelheit des Muskelspiels. Raffiniert feine Strichlagen 
werden den leisesten Andeutungen von Muskelanstrengung und 
Muskelruhe gerecht; wie mit seidig schillernden Mitteln erscheint 
der Körper modelliert. Da verschwindet denn die frühere Ver— 
bindung der Radiertechnik mit der Aquatinta; die Grab— 
stichelarbeit überwiegt, aber nicht in den groben Linien der 
Stecher des 17. und oft noch des 19. Jahrhunderts, sondern 
in den feinsten Schattierungen, wie sie die galvanoplastische
	        
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