Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
daß dieser Stil naturgemäß zuerst in England entstand: hier 
führten die Versuche Ruskins schon in den vierziger Jahren, 
die Kunst demokratisch in den Dienst des Lebens zu stellen für 
jedermann, zu dem Bestreben der Prärafaeliten, ihren Im— 
pressionismus kunstgewerblich durchzubilden: und so schuf vor— 
nehmlich William Morris, der aus der Schule von Rossetti 
und Burne⸗Jones hervorging, den sogenannten neuenglischen Stil, 
indem er den Anforderungen der Meister zunächst die Weberei 
und die Glasmalerei dienstbar machte und zugleich altnationalen 
gotischen sowie fremden japanischen Einflüssen Zutritt verstattete. 
Mit dieser zunächst vornehmlich ornamentalen Bewegung 
verknüpfte sich dann eine andere, konstruktive, an der nicht zum 
geringsten auch Amerika beteiligt war. Sie ging darauf aus, 
an Stelle eines Mobiliars, das noch immer von dem letzten 
auslaufenden Formgefühl der Renaissance, also eines Wand⸗ 
stils, bestimmt war, ein anderes Mobiliar zu setzen, zu dem 
das Formenmotiv vom Werkzeug hergenommen wurde: keine 
andere Schönheit als die der Zweckmäßigkeit und darum keine 
architektonisch-dekorativen Formen, sondern nur die Masse 
dessen, was nach mechanischen Gesetzen notwendig war: diese 
Masse aber unter dem Schönheitsgefühl der Zweckmäßigkeit 
organisch gestaltet. Es war, als würde jedes Möbelstück zum 
Werkzeug, ja zur Maschine: dünn aufgebaute, straffe, profillose 
Formen, die sich nur bei tadelloser Arbeit herstellen lassen; 
Eleganz des Schlanken, Einfachen, in klarem Rhythmus Auf— 
strebenden und Schwingenden: Gerüststil. 
Auch auf welchem Wege sich die neue Ornamentik und 
der neue Gerüststil des Mobiliars untereinander verbanden, ist 
schon angedeutet worden. Die Ornamentik diente entweder 
als Raumfüllung: dann blieb sie meist ungestört; oder aber 
sie ward zur Umrahmung verwandt: dann bedurfte man 
symmetrischer Reihen. Diese Reihen wurden aus der Orna— 
mentik dadurch gewonnen, daß man einzelne ihrer Teile, zu— 
meist die langgestreckten Blätter im Sinne des Lilienblattes, 
von ihr ausschied, für sich in rhythmischen Harmonien und 
Kontrasten anordnete und bei dieser Gelegenheit dann mehr zu
	        
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