Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende KUNunst. 
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Möbels, verhelfen? Schon bestehen Bestrebungen, nach dem 
Rhythmus, der im Mobiliar schläft, unter harmonischer Ent— 
wicklung seiner Eigenschaften im Zusammenhang mit dem 
Charakter des Raumes, in dem es aufgestellt wird, eine Ge— 
samtschönheit eingerichteter Räume zu entwickeln; unter der 
Führung des jetzt in Berlin wirkenden Vlamen van den Velde 
werden sie von starkem Erfolge getragen: hoffen wir, daß sie 
uns zunächst wieder einen klaren und festen Sinn für den 
architektonischen Rhythmus von Innenräumen, und von diesem 
aus auch einen Sinn für den äußeren Rhythmus der Gesamt— 
struktur und der Fassade großer Architekturen in zeitgemäßem 
Sinne eröffnen werden. 
Das, was uns das 19. Jahrhundert aus all dem Gemeng 
historischer Baustile und tastender Versuche nach einem neuen 
Ideale hin als guten Anfang einer neuen architektonischen 
Empfindung hinterlassen hat, ist der Sinn für das baulich 
Malerische. Freilich nicht in der mehr tektonischen Richtung 
auf die malerischen Wirkungen der einzelnen Teile eines Baues 
in ihrem Verhältnis zu einander, sondern für jenes Malerische, 
das wir empfinden, wenn wir das Innere einer mehrschiffigen 
gotischen Kathedrale betreten und uns die schwachen, gebrochenen, 
vielleicht gar bunten Lichter umfangen, die durch die mannig— 
fachen, beim Vorwärtsschreiten stets wechselnden Kombinationen 
von Pfeilern hindurchfluten. Es ist also kein eigentlich archi— 
tektonisch-malerischer Sinn, den wir haben; es ist vielmehr 
nur die lebendige Empfindung für Licht-Farbeneindrücke, die von 
einer besonderen baulichen Konstellation ausgehen können. Sie 
ist es, die wir überall suchen, in unseren großen Eisenhallen, 
in Bauten so wechselnden architektonischen Charakters ihrer ein— 
zelnen Teile wie den neueren Museumspalästen von Bern und 
Zürich und München, in der Anlage der Straßen neuer Stadt— 
teile, zu deren künstlerisch gedachter Durchführung das starke 
Steigen großstädtischer Bevölkerungen so oft Anlaß giebt, und 
nicht minder in den neuerdings immer stärker auftauchenden 
Versuchen, ganze Städte als Kunstwerke zu betrachten und 
nach den einheitlichen Gesichtspunkten hoher Kunst zu verwalten,
	        
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