Dichtung.
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Und wie des Dunkels leiser Atemzug
Den Duft des Gartens um die Stirn mir trug,
Da schien es mir wie das Vorüberschweifen
Von einem weichen, wogenden Gewand
Und die Berührung einer warmen Hand.
In weißen, seidig weißen Mondesstreifen
War liebestoller Mücken dichter Tanz,
Und auf dem Teiche lag ein weicher Glanz
Und plätscherte und blinkte auf und nieder.
Ich weiß es heut nicht, ob's die Schwäne waren,
Ob badender Najaden weiße Glieder,
Und wie ein süßer Duft von Frauenhaaren
Vermischte sich dem Duft der Aloë..
Das rosenrote Tönen wie von Geigen,
Bewoben aus der Sehnsucht und dem Schweigen,
Der Brunnen Plätschern und der Blüten Schnee,
Den die Akazien leise niedergossen,
Und was da war, ist mir in Eins verflossen:
In eine überstarke, schwere Pracht,
Die Sinne stumm und Worte sinnlos macht.
4. Nun ist klar, daß auf diesem Wege kaum noch weiter
zu gelangen ist, wenigstens innerhalb der Grenzen der seelischen
Grundlage der Gegenwart; die naturalistische Entwicklung des
psychologischen, ja des neurologischen Impressionismus erscheint
mit der Aufnahme dichterischer Formen wie der geschilderten
erschöpft. Aber inzwischen war längst, ja fast gleichzeitig und
Schlag auf Schlag den naturalistischen Errungenschaften dieses
Impressionismus folgend ein neuer Idealismus emporgeblüht.
Der Blick.
der farbendürstend in sich selbst gesenkt
Nach immer neuer Wunder unerwachtem Spiele späht
(Ludwig Klages)
hatte den Reizvorgang nicht mehr als Objekt aufgesucht; viel—
mehr umgekehrt schuf der Dichter aus sich heraus die Sensa—
tionen, sprachen diese subjektip aus ihm in neuen Zungen:
ibermächtig und breiten Stromes trat in den Formen neuro—
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