Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
keine ursprüngliche Wirkung, sie bringen vielmehr grundsätzlich 
qur dichterischen Rohstoff. 
Freilich: so ernst und so entschieden, wie sie gemeint war, 
ist diese Lyrik nur selten in Erscheinung getreten; noch mehr 
als bei dem physiologischen Impressionismus vermischte sich 
hier die naturalistische Tendenz alsbald mit der idealistischen. 
Daß trotzdem beide auseinanderzuhalten sind, und daß sich 
nach ihnen auch die poetischen Erzeugnisse wie zum guten Teile 
elbst die Dichter scheiden lassen, bleibt darum nicht minder 
vahr. Denn wie will man entwicklungsgeschichtlich überhaupt 
andere Gegensätze aufstellen als polare und andere Unter— 
scheidungen als solche à potiori? 
Soweit ich die zeitgenössische Dichtung übersehe, scheint 
— 
pressionismus näherte, Henry Mackay (geb. 1864) gewesen zu 
sein („Kinder des Hochlands“, 1888). Mackay ist oft herb 
und kräftig, von starken und reichen Eindrücken, von klarer 
männlicher Sprache — einer der wenigen unter den Neueren, 
der noch Trinklaunen mit Feuer zu besingen weiß. Und so ge— 
lingt ihm die Wiedergabe physiologischer Eindrücke trefflich. 
Aber er hat daneben auch einen formell weichen und feinen 
Zug, der ihm z. B. eine außerordentlich tönereiche Malerei 
der äußeren Erscheinung des Meeres gestattet, — und von 
ihm aus gewinnt er dann eine besondere Stellung zum Seelen— 
leben. Und da schildert er überaus abschattiert und intensiv 
seltene Stimmungen und nimmt auch schon Fühlung mit dem 
reinen Nervenproblem. Über ihn hinaus aber zieht dann desselben 
Weges, sofort neurologischen Wunderlichkeiten zugewandt, Wil⸗ 
helm Arent (geb. 1864), reich, sorglos lebend, frühreif, persönlich 
bon schwer nervösem Charakter. Der Kenntnis zugänglich 
st er heute erst von seiner dritten Gedichtsammlung an, die 1885 
unter dem Titel „Aus tiefster Seele“ erschien; und hier schlägt 
er nun neben vielem thöricht Phrasenhaften, neben sehr Altem 
und neben einem großen Überfluß von philosophischem Pathos 
doch auch schon jene traumselig weiche Sprache der nervösen
	        
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