Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung.

ihn sein dichterischer Idealismus immer wieder der leisen
Ahnung einer künftigen sittlichen Wiedergeburt entgegen:

Den längsten Traum begleitet
Ein heimliches Gefühl,
Daß alles nichts bedeutet,
Und wär' uns noch so schwül.
Da spielt in unser Weinen
Ein Lächeln bald hinein:
Ich aber möchte meinen,
So sollt' es immer sein

Weit klarer tritt dann der Wiedergeburtsgedanke bei
Gutzkow auf. Die große Form des Gegenwartromans, des
Romans des Nebeneinanders, die er in den fünfziger Jahren
in den „Rittern vom Geiste“ und im „Zauberer von Rom“ schuf,
war ihm keineswegs bloß eine Kunstform. Er glaubte in
ihr und ihrer würdigen Anwendung im Dienste der Zeit zu—
gleich ein Allheilmittel der sittlichen Schäden gefunden zu
haben. Vor allem in den „Rittern vom Geiste“ (1830 —51) legt
er das anschaulich dar. Es sei nötig, führt er aus, die Mensch—
heit auf eine neue politische, sittliche, seelische Ordnung der
Dinge vorzubereiten. Die Ritter vom Geist seien dazu bestimmt,
den Übergang zu dieser Ordnung herbeizuführen: alle die, die
sich dem im Romane selbst vorgetragenen Gedanken der Wieder—⸗
geburt zuwenden, seien solche Ritter, und alle, alle lädt der
Dichter ein, es zu werden. Welcher Art ist aber der Gedanke
des „neuen Bundes des allgemeinen Menschengeistes“? Ein sehr
einfacher! Es giebt nach Gutzkow eine kleine „Leiter von Be—
griffen, die so einfach, so tief in der Menschenbrust begründet
sind, daß sie die einfachste Intelligenz erklimmen kann. Auf
diese Begriffe reiche sich die Menschheit die Hand, beschwöre
sie und erkläre feierlich, auf diesen Schwur hin nur noch
leben und sterben zu wollen. Ein solcher Bund des Geistes
nur noch fünfzig Jahre in Wirksamkeit, und die Streitfragen
werden vereinfacht, die alten, wie Schlinggewächs wuchernden
Unbilden werden von selbst verdorrt und zusammengefallen sein.“
Sieht man näher zu, so findet man, wie bei Gutzkow
            
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