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Weltanschauung.
und Erleider des Schicksals zu sterben. Und zwei Moralen
scheiden sie, die Herrenmoral, die Moral des starken Willens,
und die Sklavenmoral, und die Herrenmoral wird siegen.
Wie freilich: das ist eine Frage, die Nietzsche zu ver—
schiedenen Zeiten verschieden beantwortet hat. Doch findet sich
schon früh und später alles andere überwältigend besonders die
Ansicht, daß es heutzutage möglich sein müsse, den Übermenschen,
den Träger der Herrenmoral in ihrer künftigen Vervollkommnung
geradezu zu züchten. Denn das sei das Spezifische unseres Zeit—
alters, daß es die Kenntnis aller primitiven Kulturen, daß es den
weiten Überblick auch über die Entwicklung der hohen Kulturen
des Menschengeschlechts zum ersten Male ganz besitze: und die aus
dem Werdegang der menschlichen Entwicklung gewonnenen Ein—
sichten müßten es dazu befähigen, den Zukunftsgang zu beein—
Tussen. Und Nietzsche selbst erscheint sih dann als der Mann,
der aus den geschichtlichen Vorgängen zum ersten Male die
nötigen praktischen Folgerungen gezogen habe, als der große
Züchter und der neue Heiland, der mit dem Buche „Also sprach
Zarathustra“ der Welt das Testament einer neuen Sittlichkeit
und vollendeten Wiedergeburt schenke, als der Christ und Anti—
christ zugleich, und in den Irrgedanken der letzten Zeit versteigt
er sich bis zu einem völligen Vergleich mit Jesus und unter—
zeichnet seine letzten, schon wahndurchzogenen Briefesworte als
„Der Gekreuzigte“.
Natürlich ist der neue Sittenkoder Nietzsches, der zum
Übermenschen führen soll, ein Gesetz durchaus des starken
Willens. Darum werden die alten Tafeln zerschlagen, die diesem
Willen ungünstig erscheinen: die Umwertung aller sittlichen
Werte tritt ein, und der Fluch des Hasses wird über die alten
ausgesprochen und das Christentum als deren Behälter.
Aber bald zeigte sich Nietzsche, dem strengen und frommen
Charakter, daß eine bloße Sittlichkeit des starken Willens, wie
sie nach der Zertrümmerung der christlichen Ethik und mit ihr
des christlichen Gottesglaubens übrig blieb, doch zur Hervor—
bringung des ersehnten Idealzustandes nicht genüge. Um ob—
zusiegen, bedurfte es eines stärkeren Haltes. Und wo fand ihn