Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung. 
hält, bleibt übrig.“ Zunächst aber sind die Großen, die 
Stillen, die in sich Starken die Berufenen. „Wachet und 
horcht, ihr Einsamen! Von der Zukunft her kommen Winde 
mit heimlichem Flügelschlagen, und an feine Ohren ergeht 
gute Botschaft. Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, 
ihr sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber aus— 
wähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: — und aus 
hm der Übermensch.“ 
Und so wäre er denn vollzogen, der Übergang von der 
Ethik zur Metaphysik, wie er zur Begründung einer Ethik 
allen Zeitaltern notwendig ist, die unter dem zwingenden Begriff 
einer allgemeinen Kausalität stehen. Denn wie soll in solchen 
Zeitaltern — Zeitaltern hoher Kultur — das praktische Problem 
der Willensfreiheit, das mit der Ethik immer wieder auftritt, 
anders seiner Lösung nahegebracht werden als dadurch, daß 
die für unsere praktische Einsicht bestehende Freiheit des Willens, 
die von der Physik geleugnet werden muß, doch immer wieder 
in irgend einer Weise eine metaphysische Sanktion erhält? 
Und war es denkbar, daß der künstlerische, ästhetische 
Traum einer neuen, höheren, sittlichen Welt anders endete? 
Schon bei Wagner ging er die engste Verbindung mit der 
Religion ein; in einer kirchlich und christlich indifferenten, 
dem Geniekult ausschweifend huldigenden Epoche, wie sie viel— 
leicht nicht zum geringsten durch den aristokratischen Charakter 
aller Kunst bedingt ward, endete ein System — richtiger eine 
Anzahl selbständiger, in revelatorischer Begeisterung vorgetragener 
Normen einer neuen Sittenlehre im Glauben. 
3. RNietzsche blieb zuerst so gut wie unbekannt; unanerkannt 
noch ist er schwerem Geschick erlegen. Und als die junge Zeit 
für ihn reif war und seine Lehre einzuschlürfen begann, da 
erhoben noch immer die Alten den entschiedensten Einspruch. 
Wilbrandt kritisierte 1894 in seinem Roman „Die Osterinsel“ 
das Problem des „Göttermenschen“; Heyse zog 1895 in „Üüber 
allen Gipfeln“ gegen die entsittlichende Verwirklichung des
	        
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