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Weltanschauung.
hält, bleibt übrig.“ Zunächst aber sind die Großen, die
Stillen, die in sich Starken die Berufenen. „Wachet und
horcht, ihr Einsamen! Von der Zukunft her kommen Winde
mit heimlichem Flügelschlagen, und an feine Ohren ergeht
gute Botschaft. Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden,
ihr sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber aus—
wähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: — und aus
hm der Übermensch.“
Und so wäre er denn vollzogen, der Übergang von der
Ethik zur Metaphysik, wie er zur Begründung einer Ethik
allen Zeitaltern notwendig ist, die unter dem zwingenden Begriff
einer allgemeinen Kausalität stehen. Denn wie soll in solchen
Zeitaltern — Zeitaltern hoher Kultur — das praktische Problem
der Willensfreiheit, das mit der Ethik immer wieder auftritt,
anders seiner Lösung nahegebracht werden als dadurch, daß
die für unsere praktische Einsicht bestehende Freiheit des Willens,
die von der Physik geleugnet werden muß, doch immer wieder
in irgend einer Weise eine metaphysische Sanktion erhält?
Und war es denkbar, daß der künstlerische, ästhetische
Traum einer neuen, höheren, sittlichen Welt anders endete?
Schon bei Wagner ging er die engste Verbindung mit der
Religion ein; in einer kirchlich und christlich indifferenten,
dem Geniekult ausschweifend huldigenden Epoche, wie sie viel—
leicht nicht zum geringsten durch den aristokratischen Charakter
aller Kunst bedingt ward, endete ein System — richtiger eine
Anzahl selbständiger, in revelatorischer Begeisterung vorgetragener
Normen einer neuen Sittenlehre im Glauben.
3. RNietzsche blieb zuerst so gut wie unbekannt; unanerkannt
noch ist er schwerem Geschick erlegen. Und als die junge Zeit
für ihn reif war und seine Lehre einzuschlürfen begann, da
erhoben noch immer die Alten den entschiedensten Einspruch.
Wilbrandt kritisierte 1894 in seinem Roman „Die Osterinsel“
das Problem des „Göttermenschen“; Heyse zog 1895 in „Üüber
allen Gipfeln“ gegen die entsittlichende Verwirklichung des