Full text : Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung.

Doch ob auch sie von Kräften nur und Stoffen
Zu reden weiß, — ein Sehnen und ein Hoffen
In unsrer Brust wird ewig mehr verlangen
Und giebt sich nie an ihren Spruch gefangen

Wer hat nun recht? Die strenge Richterin
Oder in uns die Gottesdichterin?
Erschlossen denn schon Wage und Retorte
In Psyches Heiligtum die letzte Pforte?

Auch dort noch, wo vor hoffnungsloser Schranke
Sich schwindlig fühlt und umkehrt der Gedanke,
Ruft laut der Wunsch des Herzens Weiter! Weiter!
Und zimmert sich im Traum die Himmelsleiter.
(Wilhelm Jordan.)

Und dies Reaktionsgefühl wurde bald durch sehr positive
Veränderungen der gesellschaftlichen Psyche gestärkt und in
bestimmte, allem Sittlichen, allem Religiösen günstige Richtungen
gewiesen.
Stark wirkte, um unter vielen Elementen ein besonders
hervorstechendes anzuführen, in diesem Sinne der Kulturkampf
und seine Folgen. Wer hätte religiösen Mächten anscheinend
nur traditioneller Kraft die Gewalt zugetraut, die sie hier in
Kampf und Sieg offenbarten? Auf katholischem Boden aber
erwuchs aus dem Toben der Bewegung das dauernde Ergebnis
eines bis dahin unerhört frischen geistigen Lebens: Dichter
traten auf wie Weber, Geschichtschreiber wie Janssen: eines
Lebens, das den religiösen Empfindungen wenigstens des katho⸗
lischen Bekenntnisses ohne weiteres zu gute kam.
Auf die Dauer wohl noch wichtiger war die Entfaltung
der sozialen Probleme seit Ausgang der siebziger Jahre. Denn
die Versuche, sie zu lösen, führten allenthalben auf dem Boden
des Reichs und bald auch auf deutschem Boden außerhalb des
Reiches zur Begründung unzähliger kleiner und großer Ge⸗
nossenschaften, innerhalb deren der Einzelne mehr oder minder
die Erziehung zu einer gewissen Gebundenheit des Daseins
genoß: eine Stärkung der Gemeingefühle trat damit ein, die
us dem rein wirtschaftlich-gesellschaftlichen Boden heraus in
            
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