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Weltanschauung.
indem er in ihm damit den primitivsten seelischen Vorgang
sieht, kommt er zu dem Satze: nicht das Denken oder gar das
Gefühl, vielmehr der Trieb sei das Ursprüngliche unseres
seelischen Wesens.
Wie verhält sich nun dieses seelische Wesen zur Welt, zur
Natur? Hier verbindet Schopenhauer mit seiner Lehre vom
Willen Kants Lehre von der Vorstellung: Die Welt ist unsere
Vorstellung. Aber, und hierin zeigt sich sein künstlerisches und
romantisches Denken, nicht immer eine klare Vorstellung, oft
nur ein Traum. Wie der Wille dem Trieb, wird die Vor—
stellung dem Wahn angenähert — sehr natürlich bei einem Geiste,
der der Logik weit weniger traute als dem schöpferischen Erguß
der Phantasie. Darum ist die Vorstellung nur die Maja des
Inders, der Schleier des Truges, der Sonnenglanz auf
dem Sande, den der von fernher dürstende Wanderer für
Wasser hält.
Darüber aber, wie sich Trieb und Traum, Wille und Vor—
stellung verbinden, kann nur unser Inneres belehren. Und da
findet Schopenhauer, daß der Leib nur das vorgestellte Äußer—
liche unseres Ichs, das eigentliche Ich dagegen der Trieb sei.
Und diese Auffassung überträgt er nun durch eine Reihe gewagter
Analogieschlüsse auf das Verhältnis von Natur und Geist
überhaupt; und so ist es, als lebten uralte Mythologeme bei
ihm wieder auf: die Welt erscheint nun durchweg von Trieben
belebt, vom Krystall bis zur Pflanze, und von der Pflanze
hinauf bis zum Tier und zum Menschen.
So ist die Welt ein organischer Aufbau von immer
klareren Trieben, die sich vorwärts strecken in immer höhere
Formen ihrer Verkörperung? — Keineswegs. Hier zeigt sich die
Herkunft des Systems aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahr⸗
hunderts, die den Entwicklungsgedanken noch nicht als Gemein—
gut des Denkens kannten. Schopenhauer ist ganz und gar
Gegner aller Entwicklung; darum kann er keinen klaren Gedanken
von der Geschichte als Wissenschaft fassen; und darum hat er
Lamarcks ihm wohlbekannte Lehre als Lächerlichkeit gebrandinarkt.
So bleibt denn in seiner entwicklungslosen Philosophie Wurzel