Weltanschauung.
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ein Bewußtsein neben oder über dem individuellen Ich an—
nehmen. Auf dieses oder ein verwandtes Element verzichtet
dagegen der sonst etwa auf gleichem Boden stehende Empirio—
kritizismus von Avenarius (,„Kritik der reinen Erfahrung“,
seit 1888; „Der menschliche Weltbegriff“, 1891). Avenarius er⸗
gänzt vielmehr die individualpsychologische Betrachtungsweise der
bloßen inneren Wahrnehmung durch ein sozialpsychologisches
Element, nämlich durch die Annahme der grundsätzlichen Gleich—
heit der menschlichen Seele, was ihm dann die Heranziehung
fremder Erfahrung als einer mit der eigenen gleichberechtigten
gestattet. Und auf diese Weise glaubt er mit seiner zahlreichen
Anhängerschaft nicht bloß eine rein beschreibende Bestimmung
des allgemeinen Erfahrungsbegriffes der Form nach ableiten,
sondern auch die Möglichkeit eines Weltbegriffes aufftellen zu
können, der nur reine Erfahrung zum Inhalt hat und also die
Welträtsel auf erfahrungsmäßigem Wege löst.
Wie man nun auch über diese nur kurz skizzierten
Thedrien im einzelnen urteile, eins ist sicher: sie haben sich
immer mehr von den Elementen befreit, die in der Kantschen
Lehre mit deren Metaphysik und praktischer Philosophie, mit
dem Ding an sich etwa und dem Begriffe einer transcendentalen
Freiheit zusammenhingen. Es war ein Weg, der die allmähliche
Entfaltung der Erkenntnistheorie zu einer selbständigen Wissen—
schaft bedeutete.
Kann man aber von den Ergebnissen und Methoden dieser
Wissenschaft sagen, daß sie schon genügend stark entwickelt und
namentlich schon weit genug in die Methoden der einzelnen wissen-
schaftlichen Disziplinen hineingetrieben seien, um diesen als
sichere Stütze dienen zu können? Es ist wie auf dem Gebiete der
Psychologie, ja noch bedenklicher: neue Zeiten sind gekommen,
ein neues Seelenleben ist erblüht; aber die systematische Durch—
forschung ihres Wesens ist noch keineswegs weit genug gefördert,
im der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens der Zeit mit
mehr als allgemeinsten Ergebnissen zu Hilfe zu kommen.
Und diefe Lage ist nach der Natur der Dinge unvermeidlich:
denn wie sollte es möglich sein, die psychischen Grundlagen
gamprecht, Deutsche Geschichte. Erster Ergänzungsband. 29