Bildende KUunst.
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Zweig der bildenden Kunst. Dazu kommt, und zwar für die
Auffassung der geschichtlichen Forschung ausschlaggebend, noch
ein anderer Punkt. Malerei und Bildnerei sind im Verhältnis
zur Baukunst nachahmende Künste: sie schaffen in innigster An—
lehnung des Auges an die Formen der Erscheinungswelt.
Darin liegt es begründet, daß diese Erscheinungswelt an sich
geradezu einen ständigen, weil der Hauptsache nach in sich un—
—
wicklung: das so schwer zu findende Moment außerhalb der
Flucht der historischen Erscheinungen, das zu deren Erkenntnis
und entwicklungsgeschichtlicher Bewertung doch so nötig ist, hier
ist es gegeben. Die Baukunst dagegen bietet schlechtweg nichts,
was diesem eigenartigen Verhältnis entspräche, so wenig wie die
Musik, — während die Dichtung hier wieder auf die Seite von
Bildnerei und Malerei tritt: — und darum sind Baukunst
und Musik an sich weit weniger geeignet, unmittelbar in die
elementaren Vorgänge der künstlerischen Entfaltung menschlichen
Gemeinschaftslebens einzuführen, als die anderen Zweige der
Phantasiethätigkeit.
Übersieht man die Entwicklung der deutschen Malerei nach
ihren einfachsten und gröbsten komponierenden Elementen, nach
Umriß und Farbe, so ergiebt sich in den elementarsten Zügen,
die auf die scharf gefaßten Urerscheinungen zurückgeführt sind,
etwa folgendes.
Wir sehen in den ältesten Funden die Reste einer Zeit
vor uns, in der die Farbe überhaupt noch keine Rolle spielte
oder wenigstens nur für roheste Flächenfüllung in ein paar
hunten Tönen in Betracht kam: so in den Verzierungen der
Töpferwaren der Steinzeit. Im übrigen beschränkt sich die
Kunst auf lineare Elemente und Wiedergabe einzelner kleiner
Teile der Erscheinungswelt (Blätter u. a. m.), die so allgemein
amrissen sind, daß man kaum die Form wiedererkennt: so daß
das künstlerische Gebilde fast nur noch als Symbol der natür—
lichen Vorlage erscheint. Man kann also von einer symbolistischen
Kunst reden.
Eine jüngere Periode der Urzeit geht über diese einfachste