Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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legien warben und die im Notfalle, weil es sich bei dem Feil- 
schen und Makeln zu guter Letzt immer um schwindel- 
erregende Wertziffern drehte, durch Bestechung, Ämter- 
versorgung oder auch durch Drohungen und Einschüch- 
terung fügsame parlamentarische Mehrheiten ganz nach 
ihrem Willen erzwangen./Kamen, wie in den alten Küsten- 
staaten, weniger die Landschenkungen in Betracht, so gierte 
man nach wertvollen Benutzungsrechten für Straßen und 
Plätze, nach hochbezahlten Postbeförderungen und andren 
Aufträgen, nach künstlichem Ausschluß der Konkurrenz, 
nach Abwälzung der unvermeidlichen (bei den unaufhör- 
lichen sturmschrittartigen amerikanischen Umgestaltungen 
doppelt unvermeidlichen) Umbaukosten von älteren Linien 
und Bahnhofsanlagen auf die Allgemeinheit, und immer 
wieder war der Steuerzahler in Gemeinde, Staat und Bund 
der Leidtragende, während die Riesenvorteile, die jedesmal 
in Rechnung kamen, auf wenige einzelne als Millionen- 
und Milliardensegen sich ergossen. In welchem anderen 
Lande, vor allem in welchem Staate unsrer alten Welt, 
hätten die gleichen Erfahrungen auch nur annähernd ge- 
macht werden können? 
Die Tatsachen, die Myers hier ausgräbt und zu einem 
niederschmetternden Bild allgemeinster Vergeudung und 
Korruption vereint, sind an sich kaum bestreitbar, Unter- 
suchungsausschüsse in Washington und in den Einzelstaaten 
haben sie jedesmal festzustellen versucht, wenn nachträg- 
lich das öffentliche Bewußtsein und Gewissen die volle 
Tragweite der vorangegangenen Entschlüsse und _ die be- 
schämenden dunklen Begleitumstände zu ahnen begann. 
Dennoch glaubt man bei diesen Schilderungen zuweilen ein 
wüstes wildwestliches Filmdrama vor sich zu haben, ob- 
wohl alle diese Finanzabenteuer, Treibereien und Beute- 
züge, die sich hier und da bis zur frechsten Gaunerei und 
zur brutalsten wirtschaftlichen Abwürgung steigern, unter 
den glänzendsten Namen an uns vorüberziehen. Neben 
Cornelius und William Vanderbilt, Jay Gould, Russel 
Sage, John J. Blair, John W. Garrett und John 
Hopkins erblicken wir die ersten Überlandbahngründer 
Collis P. Huntington, Leland Stanford, Charles
	        
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