Full text: The Constitution of Canada

122 
Erster geschichtlicher Teil 
liegen !), ergibt sich eine recht hohe Geburtenzahl pro Familie, 
Freilich ist auch noch heute Württemberg ein ziemlich geburten- 
reiches Land. Alle Familien haben im 16. und 17. Jahrhundert 
zwischen 5 und 6 Kinder, während sich dann im 18. Jahrhundert 
eine deutliche Abnahme zeigt. Aber immerhin beträgt der Durch- 
schnitt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch 6,1 und in 
der zweiten Hälfte desselben 4,5 Kinder. Betrachtet man nur die 
fruchtbaren Ehen, so erhöhen sich noch diese Zahlen. Bothe hat 
für Frankfurt a./M. für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts 
5,6 Kinder auf eine fruchtbare Ehe berechnet und ist auf dieser Grund- 
lage zu einer allgemeinen Geburtenziffer von 39 auf 1000 Einwohner 
gekommen, wobei freilich ein Teil der Unehelichen und die vor 
der Taufe Gestorbenen fehlen, so daß die allgemeine Geburten- 
ziffer etwas höher gewesen ist. Aber auch bei einer so starken 
Fruchtbarkeit der Ehen kommt Bothe infolge der hohen Sterblich- 
keit zu einer recht geringen Zahl der auf jede Ehe entfallenden 
Kinder. Bei 313 Ehen betrug diese Zahl im Durchschnitt damals 
nur 2,31, im 17. Jahrhundert 2,44 und im Jahre 1799 2,0%). 
Wenn man den Versuch macht, aus dem Dargelegten ein ge- 
meinsames Ergebnis zu finden, so stößt man auf ganz beträchtliche 
Schwierigkeiten. Dabei soll die Entwicklung der Geburten- 
häufigkeit selbst außer acht bleiben. Man hat vielfach für den Lauf 
des 18. Jahrhunderts eine gewisse Verminderung feststellen wollen. 
Ebensowenig soll hier genauer darauf abgehoben werden, daß als 
Folge von Kriegen und Seuchen und ihrem Einfluß auf die Ehe- 
häufigkeit in der älteren Zeit die Fruchtbarkeit ganz erheblichen 
Schwankungen unterlag. Wesentlich wichtiger ist der Vergleich der 
Geburtenhäufigkeit in älterer Zeit und derjenigen in der Gegenwart. 
Nach dieser Richtung hin ist das vorhandene Material keineswegs 
gleichartig und keineswegs schlüssig. Dabei soll nicht verkannt 
werden, daß sich die älteren Angaben auf Gebiete von wirtschaftlich 
ganz verschiedener Beschaffenheit, auch zeitlich auf recht verschiedene 
Perioden beziehen. Das Verhältnis zwischen Trauungen und Taufen 
ist kaum höher als in der Gegenwart, z. T. niedriger. Allerdings 
muß man hierbei daran denken, daß das ältere Material sehr lücken- 
haft ist und daß trotz der größten Gewissenhaftiekeit der Bearbeiter 
1 E. Rümelin, Heiratsalter u. Fruchtbarkeit d. Ehen in ihrer Entwickl, seit 
1500, Württemb. Jahrb. f. Stat. u. Landeskunde, 1923-—1924. 
?) Bothe, a. a. O., S. 63—66. — Für die Schwankungen in d. Geburten- 
häufigkeit vgl. auch W. Hanauer, Histor.-stat. Untersuchungen über d. unehelichen 
Geburten, Zeitschr. f. Hygiene u. Infektionskrankheiten, Bd. 108, 1028.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.