fullscreen: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Unregelmässigkeit des Verkehrs führen würde, die nicht nur Störungen 
‘ür die gesamte Produktion, sondern auch namentlich für den Eisen- 
sahnverkehr selbst, in sich schliessen müsste, denen die ganzen bis- 
2erigen Anlagen und Betriebseinrichtungen sich nicht gewachsen zeigen 
würden. Die durchschnittliche Steigerung des Personenverkehrs, die 
zu erwarten wäre, wird aber vielfach überschätzt, denn für das Reisen 
zommt durchaus nicht allein das Fahrgeld in Betracht, sondern der 
Interhalt während der Reise und der Zeitverlust der Fahrt, weshalb 
auch Inhaber von Freikarten für die Bahnen im allgemeinen nicht in 
der Lage zu sein pflegen, dieselben vollkommen auszunutzen, während 
ler Verkehr an einzelnen Tagen, z. B. an sonnigen Festtagen in grossen 
Städten geradezu bedrohlichen Charakter annehmen könnte, wie es 
schon jetzt in Berlin sich beobachten lässt. Aber ebenso könnten 
zanze Völkerwanderungen plötzlich bei dem Bekanntwerden grösserer 
Nachfrage nach Arbeitskräften an einzelnen Orten z. B. durch Inangriff- 
ı1ahme grösserer Kanal- oder Eisenbahnbauten ete. bei allgemeiner Ar- 
veitslosigkeit oder erheblicher Lohnsteigerung in bestimmten Productions- 
zweigen und bei sonstigem Wechsel der Konjunkturen entstehen, die 
grosse wirtschaftliche Nachteile und Unzuträglichkeiten für die Bahnen 
in sich schliessen. Müssten aber dem Wechsel des Verkehrs einiger- 
massen entsprechend alle Einrichtungen getroffen werden, schon in 
der Anlage, dann im Betrieb am Wagenpark, Personal ete., so erhöhen 
sich die Kosten sehr bedeutend und schmälern naturgemäss den Rein- 
ertrag. Es wird nach Allem richtig sein, auch hier nur langsam in der 
Entwicklung vorzugehen. 
Anm.: 
1898/99 waren im deutschen Reiche Staatsbahnen 44579 km, d. 8. 92,4 %o. 
Die Betriebseinnahmen betrugen 1895/96 aus Personen- und Gepäckverkehr 
421 Mill, 1898/99 507,5 Mill.; aus Güterverkehr: 1011 Mill. Mk., 1898/99 1195,5 
Mill.; aus anderen Quellen: 133,2 Mill, zusammen 1487 Mill. 1898/99 1836,2 Mill. 
Mk. Einnahmen und 852,1, 1898/99 1093,7 Mill. Mk. Betriebsausgaben, 1895/96 
545,6, 1898/99 723,2 Mill. Mk. Ueberschuss, 5,74%, und 6,06 °/, des Anlagekapitals. 
1886/87 kamen auf den Kilometer Betriebslänge 225 400 Personenkilometer 
und 438 000 Tonnenkilometer. 
1895/96 kamen auf den Kilometer Betriebslänge 315400 Personenkilometer 
und 560 000 Tonnenkilometer. 
1898/99 kamen auf den Kilometer Betriebslänge 375 623 Personenkilometer 
und 645 479 Tonnenkilometer. 
[n dem Jahre 1898/99 waren 1602 km schmalspurige Bahnen im Betriebe, 
Der gesamte Güterverkehr betrug 1895/96 184,7, 1898/99 304,4 Mill. Tonnen. 
Personen wurden im letzten Jahre: 763 Mill. befördert.
	        
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