Metadata: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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Kapitalsmacht zu erschüttern vermocht, sondern nur und ausschließ- 
lich der Sturm eines dreißigjährigen Kampfes**), 
Auch die große Geldkrise am Beginne des 17. Jahrhunderts, 
die sog. Kipper- und Wipperzeit, hat keinen Rückfall größeren Um- 
fanges in die Naturalwirtschaft zur Folge gehabt. Wohl hören wir, 
daß die Bürger der Städte, um sich die lebenswichtigen Nahrungs- 
mittel zu beschaffen, auf das Land hinauszogen, um dort den 
Bauern, welche ebenso wie die Fleichhauer nicht mehr auf den 
städtischen Markt kamen, Getreide und Fleisch abzukaufen; daß sie 
dafür wohl auch mit Naturalien, z. B. Bettgewand und anderem, 
zahlten“®). Aber einerseits waren diese Folgen der Geldkrise nur 
von sehr kurzer Dauer, schon 1624 war diese Krise beseitigt, ander- 
seits aber war es nicht so sehr die Geldentwertung an sich, die dazu 
Anlaß bot, als vielmehr die wucherische Ausnutzung durch den 
Handel mit Geld. 
Vieh und Getreide wurden ebenso aus dem Lande geführt wie 
die gute vollwertige Münze. Tatsächlich ist auch der damals vor- 
kommende Naturaltausch nicht eine wirkliche und volle Natural- 
wirtschaft gewesen, da der, welcher altes gutes Münzgeld besaß, 
jederzeit damit kaufen konnte. Zudem wurden Gehalte und Steuern 
während dieser Zeit doch andauernd in Geld entrichtet?®), so daß 
keineswegs die Geldwirtschaft gänzlich geschwunden und durch die 
Naturalwirtschaft ersetzt worden ist. Auch die Löhnung der 
Soldaten erfolgte in Geld"), und ebenso die Entrichtung der 
Zölle*®), wie die Schuldverzinsung"*). Es handelte sich also über- 
wiegend doch nur um kleine Leute, die wegen der Zurückhaltung 
der Bauern gegenüber der schlechten Münze*‘), diesen für die be- 
*) J. Hartung, Die direkten Steuern und die Vermögensentwicklung in 
Augsburg v. d. Mitte d. 16. bis z. 18. Jahrhundert. Schmollers Jb, 22, 167 ff, 
bes. 199. 
“) Vgl. die Chronik der Stadt Steyr v. Jakob Zetl zu 1622 bei 
A. v. Luschin, Das lange Geld oder die Kipperzeit in Steiermark. Mitteil. d. 
histor. Ver. f. Steiermark 38, 26 ff., bes. S. 44. 
%) Vgl. die Belege f. Augsburg bei Hartung a. a. O., sowie für Überlingen 
bei Fr. Schäfer a.a.O. S. 100 £.; für Tirol vgl. J. Hirn, Die lange Münze in 
Tirol und ihre Folgen. Arch. f. Osterr. Gesch, 104, 20. 
7) Vgl. J. Hirn a.a.0. S. 26. 
%) Ebda, S. 67. 
%) Ebda. S. 111. 
W) Ebda. S.24f.
	        
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