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in dieser Armuth allmächtig und unwiderstehlich gewesen.
Leider haben die „hohen“ Geistlichen solange vergessen:
Lucas io: „Traget keinen Beutel und grüsset Niemand au
der Strasse.“ — Math. 5: „So jemand mit dir rechten wil
und deinen Rock nehmen, dem lasse auch den Mantel.
Luc. 4: „. . . er hat mich gesalbt und gesandt, zu verkünden
das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstossenen
Herzen, zu predigen den Gefangenen, dass sie los sein
sollen“ (keine Schuldhaft).
Für diese Behauptung, welche ich schon früher aufgestellt
und durch die segensreichen Wirkungen der canonischen
wirthschaftlichen Gesetze im Mittelalter zu begründen versucht
habe, beabsichtigte ich einen neuen Beweis durch ein Beispiel
zu führen, deshalb trennte ich mich in Salt Lake City
meinen anderen Reisegefährten vorläufig, um genaue Kennt-
niss von dem zu nehmen, was die Mormonen hier geschaffen. ^
Wenn man die Weltgeschichte unbefangen betrachtet,
wird man finden, dass Menschen als Massen durch drei Mo
tive in Bewegung gesetzt werden: i) Religion, 2) Nation,
3) Stand oder sociale Gemeinschaft. Die Religion ist
stärkste Motiv; sie vereinigt Menschen verschiedener Nationa
lität und Stände zu einem Ziele. Die Stärke der Juden be
steht darin, dass sie durch das Doppelband derselben
Religion und derselben Nation umschlungen werden; ist oas
religiöse Band beim Reformjuden vermodert, so hält das
Racenband ihn noch an seinen Stammesgenossen fest. Die®®
Einigkeit, welche jenes Doppelband um die Judenschaft
schlungen und in ihr erzeugt, giebt ihnen die wirthschafthc ^
T Tf^hprletrenheit. die als Reichthum erscheint. Ihre Rehgi^
ist sehr productiv!
Die Mormonen gehörten alle demselben Stande an,
waren sehr arm. Jetzt giebt es Reiche und Arme, aber noc
umschlingt alle dasselbe religiöse Band. Sie recrutiren si ^
jährlich durch Zuzug aus Amerika, England, Schweden, ^
wegen, Dänemark, der Schweiz und einen sehr geringen
Deutschland. Aber alle diese Nationalitäten verschmeiß