Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

18, Titel: Einbringung von Sachen hei SGaftwirten. Vorbemerkungen. 8701, 1251 
8 701. 
Ein Gaftwirth, der gewerbsmäßig Fremde zur Beherbergung aufnimmt, Hat 
einem im Betriebe dieies Gewerbes aufgenommenen Safte den Schaden zu er- 
legen, den der Saft durch den Verkuft oder die Bejhädigung eingebrachter Sachen 
erleidet. Die Erjagpfliht tritt nicht ein, wenn der Schaden von dem Safte, 
einem Begleiter des Gafie8 oder einer Perfon, die er bei fihH aufgenommen Hat, 
berurfacht wird oder durch die Bejchaffenheit der Sachen oder durch Höhere Se 
Walt entfteht, 
AS eingebracht gelten die Sachen, welche der Saft dem GaftwirthH oder 
Veuten des Sofjtwirths, die zur Entgegennahme der Sachen beftellt oder nah den 
Umftänden a8 dazu beftellt anzufehen waren, übergeben oder an einen ihn von 
diefen angewiejenen Ort oder in Ermangelung einer Anweifung an den Hierzu 
Beftimmten Ort gebracht Hat. 
Ein Anfhlag, durch den der GaftwirthH die Haftung ablehnt, ift odhne 
Wirkung, 
ES. 1, 626 II, 641, 1. 688, 
I. Grundfäglide Megelung. Na gemeinem Rechte hafteten Schiffer, Saft“ und 
CtaNlwirte für unverfehrte Rückgabe der von ihnen im Betrieb ihres Gewerbes aufge- 
kommenen Gegenftände; eine Ausnahme beftand nur hinfichtlih folder Schäden, die durch 
böhere Gewalt oder durch eigene Schuld der Reijfenden eingetreten find (109. „receptum 
Nautarum, cauponum, stabulariorum“; vgl. Sn Band. Bd. 2 8 39, I, 1, WindfGHeid- 
Sipp, Band. %o. 2 S. 617 ff, MeynE S. 5 ff). Nehnlidhe Beftimmungen A die 
neueren Gefeßgebungen, ingbejondere das RLR. (Il. Il Tit. 8 SS 444-—454) und das BLR. 
(ZU IV cap. 13 8.10, Ueber andere Rechte f. 0. 11, 584 Note 1. 
„Au das BOB. ftellt hinfichtlih der Haftung des Ger ‚für die von den 
Säften eingebradten Sachen |trenge Normen auf. Beitimmend hHiefür war nicht (wie 
für die einjelägigen Vorjchriften des römifden Rechtes, {. 1.181, 1. 3 8 1, Dig. IV, 9) 
Mangel an Vertrauen gegenüber dem Stande der Saftwirte, fondern bie Erwägung, 
daß obne folde Normen die Fremden bei Verluft oder Beichädigung der von ihnen 
ngebrachten Sachen regelmäßig den Beweis einer Berlebung der N 
Teitens des Gaftwirts zu führen hätten, welcher Beweis nach der Natur der Dinge 
Nut felten gelingen fönnte (MM. 11, 584, D. 85). Die auf efeifigung diefer Mus: 
Sn beftimmungen gerichteten. Anträge blieben erfolglos (3®. 11, 341 f., VI, 475 ff. 
- 41, 403). 
IX. Berechtigte und verpflichtete Perfonen, * 
, 1, Der AnfprudH ans S 701 fteht dem Gafte zu ohne Rückficht Dakouf ob er 
Sigentümer der AED Eachen ift oder nicht; der Eigentümer al8 joldher 
oogegen hat feinen Erfaßanfpruch aus S 701, e8 fei denn, daß ihn der Saft feinen dahin 
Bebenden Anfpruch abgetreten hat; ift der Saft dem Eigentümer erfabpflichtig, fo kann 
r von dem Gafjtwirte Befreiung von diefer Verbindlichkeit verlangen (ebenfo Crome 
$ 278 Anm. 23, Silher-Genle Note 7, Urt. d. DLG. München vom 7. November 1905 
Seuff. Arco. Bd. 61 Nr. 174, Urt. d. OLG. Breslau vom 24. Juni 1902 Recht 1902 
S. 371 ff, Urt. d. OLG. Hamburg vonı 7. Februar 1907 Ripr. d. VLG. Bd. 18 S. 24ff.; 
nach S. Meyer a. a. DO. [ebenfo daZ erwähnte Urt. d. OLG. Hamburg] fol der Gaft 
nu das Interelje des Eigentümer8 mitliquidieren fönnen, wenn 3zwijhen beiden ein 
Hechtsverhältni3 befteht, weldes dies al natürlich erfcdheinen Iaffe; allein ein Nechtsfaß 
diele8 SYnhaltz dürfte ausS dem BOB. kaum abzuleiten fein), Das Perfonal des Gaft= 
Wirts oder ein im GafthausZ mit Mepyaraturarbeiten befchäftigter Handwerker Kkanıt fich 
auf 8 701 nicht berufen Dertmann Vorbem. 2, c). 
2. Die gefteigerte Haftpflicht des S 701 obliegt Gajftwirten, Die gewerbsmäößig 
Öremde zur Beherbergung aufnehmen, 
a) „©®aftmirt“ it, wer ein offenes Lokal Hält, um Berfonen gewerbsmäßig 
zu beherbergen (Landmann, Komm. 3. SGew.D., 5. Uufl. Bent. 2 zu 8 33; 
dgl. auch Langen S. 3). ” , 
Uusgefchloffen find aljo Schankmirte ®. D. Perfonen, die 
gewerbSmäßig Octränfe zum SGennß auf der Stelle verfhänten, f. Land- 
70
	        
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