Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

13. Titel: Einbringung von Sachen bei Gaftwirten. S 701. 1253 
8) Sit die Gaftwirtfhaft verpachtet, fo haftet dem Safte, von bes 
Jonderen Vereinbarungen abgefehen, nicht der Eigentümer, Jondern 
der Mächter. 
b) Ein Gaftwirt unterliegt nur dann der {trengen Haftung des S 701, wenn 
er Hremde zur Beherbergung aufnimmt. Unerheblih ift, ob der 
Baftwirt den Fremden audd Speifen und Getränke verabreicht; daher wird 
regelmäßig auch der Snhaber eine3 {og. Hotel garni oder einer Familien- 
benfion (nicht aber der Vermieter einer Schlafftelle oder eines mößlierten 
Zimmers) al Gaitmwirt im Sinne der SS 701 N. zu erachten fein (vgl. Fuld 
S. 262, Bland Borbem. 11, 2, Dertmann Bem. 1, d, Dernburg $ 353, Il, 1, 
Srome S 278 Anm, 8; anf. Anf. Langen S. 4 ff). Nicht unter S 701 EEE 
der Befiber einer Heil= oder Pflegeanftalt (Klinik, Krivatirrenanftalt, 
Sanatorium, [vol. Urt. d. OLG. München vom 13. November 1909 Bl. f. RA. 
Bd. 75 S. 259 f.) Trinkerafyl; ebenfo BPland Borbem. 11, 2). , 
Die Aufnahme der Fremden zur Beherbergung muß aewmerbSmäßig, d. 5. 
in der Wblicht gefchehen, aus diejer Tätigkeit eine ftändige Dr anee 
zu machen (vgl. die reichsgefeßlihe Yudilatur zu $ 260 St®B). Dem- 
gemäß dürfen die Unterfunftshäufer alpiner Bereine nicht zu 
den Saftwirtichaften im Sinne der 8 701 gezählt merden (ebenfo Brückner, 
Hecht 1907 S, 1107, Blanc Vorbem. IT, 4, c, RÖR-Komm. Bem. 1, Fiicher- 
Dale Note 1, d, EM S. 261; and. Anf. hinfichtlidh der bewirtfhafteten 
Gäufer Dertmann Bem. 1, a; unentfhieden Langen S. 6 um. 12). Chen 
Diese obliegt die Haftung aus & 701 einem Ortseinwohner, der bei 
eberfüllung des einzigen vorhandenen GafthaufeS au8hilf8meife einen 
Sremden beherbergt (unter Umftänden kann in einem ME Halle der 
Daltwirt jelbit aus 8701 oder wenigjten8 aus S$ 278 haften; val. Langen 
S. 56 Anm, 35, Crome 8 278 Anm. 8). ; 
Nimmt ein Gaftwirt, der regelmäßig Fremde nicht beherbergt, au 3 
befonderen Gründen & B. wegen eineS bei Einbruch der Nacht 
drohenden Unwetter8) einen Gaft zur Beherbergung auf, fo haftet er nur 
nach Maßgabe der allgemeinen SÖrundjäßge. 
UL Borausfjegungen der Haftung. 
„LI. Der Saft muß bereit3 aufgenommen fein. Für voransgefendeteS und einft- 
Deilen in Verwahrung genommenes Gepäck haftet daher der Gaitwirt nur nach Maßgabe 
Se allgemeinen ©rundiäge (ebenfo Urt. d. DLSG. Kiel vom 30. Auguft 1906 Ripr. d. VLG, 
D. 18 ©, 25 R Ob die Aufnahme al3 erfolgt anzufjehen ift, hängt von den Umftänden 
deS einzelnen Falle ab. (Keine Aufnahme liegt vor, wenn ein Handwerksbhurfche vom 
Serlomal auß Mitleid auf den Henuboden gewiejen wird; Dertmann Borbem. 2, b.) Cine 
Finahme (auch eine vorübergehende) liegt noch nicht vor, wenn der Wirt dem Gate bie 
eien Zimmer zeigt, diefer ablehnt und inzwifdhen das im Hausflur nicberackn Gepäck 
Zeitohlen wird (ebenfo ROR.-Komm. Bem. 2, 1. auch Urt. d. Reidhsger. vom 3. ärz 1908 
Ber Wir. 1908 S. 372; and. Anf. Sturm S. 24, Plan Bem. 2, a, d, Goldmann-Lilien- 
SS a 7, Dernburg 8 353, II, 3, Dertmann Bem. 3, a, 8, Langen S. 44 ff, 
e ©, . 
Die Aufnahme braucht nicht durch den Gaftwirt perfönlih, Kann vielmehr 
Iuß dur feinen Stellvertreter oder Gehilfen (Direktor, OÖberkellner, 
Yoxtier u. dal) erfolgen. Die Mot. (II, 585 F) erwähnen ausdrücklich, daß die 
Hot mahıme {don dann al8 erfolgt angefehen werden kann, wenn der Sn am Se 
Dofe mit dem Führer des Hotelmagen8 {ich verftändigt hat (vol. ROS. Bid. 1 S. 83 ff); 
SI gleiche gilt natürlich, wenn die OF NEE zwijchen dem SGafte und dem zur 
EN der Fremden an den Bahnhof oder die Mn gefendeten Hausdiener 
erfolgt ijt. Zur weit aber geht wohl die Anficht (Scherer Note 12, Vertmann Bem. 3, a, £ 
und v, Zangen S. 45 Anm. 21, Pland Bem. 2, a, d, Urt. d. DLSG. Sea vom 1. Suni 
1906 Bf. f. RA. Bd. 71 S. 632 ff.), daß auch der erft angekündigte Gaft al3 bereit3 auf- 
Me rommen zu betrachten jein {joll (wie bier ROR.-Komm. Bem. 2; val. au Goldmann- 
ilienthal S. 721 Anm. 10). 
„8, Der Gaft muß im Betriebe des Gajtwirtsgewerbes Ta fein. Hiezu 
gehören foldhe Berfonen nicht, die der Gaftwirtk in Crtüllumg öffentlidhrechtlicher Pflichten 
Be aus perfönligen Oründen beherbergt, 3. SB. Einquartierung, Berwandte, die als 
u N EN Beberb ; fein. Si ot richt 
. er Salt muß ferner zur Beherbergung aufgenommen fein. Hiezwu genügt ni 
die bloße Einkehr zwed3 Einnahme des Mirtagevfens oder einer Erfrifchung; anderjeitz 
it freilich auch nicht erforderlich, daß der Gajt übernachtet; S 701 ift daher auch anwendbar, 
wenn dem Galte nach dem Elfen einer Zimmer zur Aobhaltıumag einer kurzen Siefta einge:
	        
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