Object : Die deutsche Ölmüllerei

1.  Die  treibenden  Kräfte.

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Ein  großes  Hindernis  für  diese  ununterbrochene  mechanische ­
  Fortbewegung  der  Ölsaat  bildete  die  Notwendigkeit  ihrer
zeitweiligen  Einlagerung.  Die  Ernteverhältnisse  der  Rohmaterialien, ­
  die  ständig  steigende  Produktion  der  einzelnen  Fabriken ­
  und  vor  allem  der  Übergang  zur  Verarbeitung  überseeischer ­
  Ölsaaten  (mit  letzterem  beschäftige  ich  mich  an  anderer
Stelle  noch  eingehender)  brachten  es  mit  sich,  daß  die  Ölmühlen
größere  Mengen  von  Rohmaterialien  vorrätig  halten  mußten,  um
einen  ununterbrochenen  Betrieb  der  Fabrik  zu  ermöglichen.  Im
allgemeinen  ist  nun  allerdings  die  Haltbarkeit  der  Ölsaaten  eine
ziemlich  bedeutende;  da  jedoch  die  Ölsämereien  wie  alle  Pflanzensamen ­
  keine  toten,  sondern  nur  ruhende  Körper  sind,  so  ist
diese  Haltbarkeit  dennoch  eine  nur  bedingte,  und  es  kann  Zufuhr ­
  von  Wärme  und  Feuchtigkeit  Veränderungen  hervorrufen
(Keimen),  bei  welchen  die  Saaten  teilweise  oder  ganz  verderben,
wie  sie  als  organische  Körper  unter  dem  Einflüsse  von  Feuchtigkeit ­
  natürlich  auch  einer  Selbsterwärmung  (sogen.  Verbrühen
der  Saat)  und  Schimmelbildung,  sowie  dem  Muffigwerden  ausgesetzt ­
  sind 1 ).  Um  daher  eine  Qualitätsverschlechterung  oder
gar  ein  vollständiges  Verderben  des  in  den  Samen  enthaltenen
Öles  zu  verhüten,  ist  es  notwendig,  Vorkehrungen  zu  treffen,
um  eine  Schädigung  der  Saaten  während  der  Einspeicherung  zu
verhindern.  Zu  diesem  Zwecke  bedient  man  sich  derselben  Vorrichtungen, ­
  wie  solche  bei  der  Magazinierung  von  Getreide  gebräuchlich ­
  sind.
„Die  Frage  der  Konservierung  von  Getreide  mittels  geeigneter ­
  Methoden  der  Lagerung  hat  schon  im  Altertum,  wenn  auch
nur  zeit-  und  stellenweise,  eine  hervorragende  Bedeutung  gehabt. ­
  Schon  früh  erkannte  man  den  einen  der  beiden  für  die
Erhaltung  des  Kornes  einzuschlagenden  Wege:  gänzliche  Verhütung ­
  des  Luftzutrittes.  Das  zweite,  gegenteilige  Mittel,  stete
Berührung  der  Körper  mit  frischer  Luft,  verdrängte  in  späterer
Zeit  die  erste  Methode  vollständig,  und  erst  in  neuester  Zeit
kehrt  man  —  und  zwar  mit  den  großartigsten  Erfolgen  —  zu
dem  erstgenannten  Systeme  zurück 2 ).“  Mit  diesen  Worten
leitet  Luther  sein  Werk  über  die  Konstruktion  und  Einrichtung
von  Speichern  ein  und  charakterisiert  damit  die  beiden  heute
l )  Hefter,  1.  c.  Bd.  I,  S.  150.
! )  O.  Luther  „Konstruktion  und  Einrichtung  von  Speichern".  Braunschweig ­
  1886.  S.  5.
            
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