Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

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VIT. Abfchnitt: Einzelne Schuldverhältnifle. 
„Waren“ find Sachen, die beftimmungsgemäß Gegenftand des Handel8- 
verfehrsS find; vgl. Zildher-Henle Note 1, Stand, Komm. z. HGB. Anm. 38a 
und 41 zu 8 1, NOE, Bd. 47 S. 106. Ueber den Begrütf der „Wert- 
papiere“ |. Borbem. I vor S 793; über den Begriff des „Börfen“= oder 
„Maritpreife3” |. Bem. 2 zu 8 385 (der Begrilf Dde8 „Liquidationskurfes“ 
ft biebon verfchieden, |. ROR-Komm. Bem. 1). 
Nicht anwendbar ift S764 auf Tage8= und Aaffagefhäfte, d. h. auf 
Räufe mit fofortiger Lieferung gegen {fofortige SS Wenn bei 
jolhen Gefchäften auch dem Kaufe {päter ein Verkauf folgt, fo kann zwar 
ywifdhen dem Kauf: und Verkanufspreije zugunften oder zum Nachteile des 
Spelulanten ein Unterfchied beftehen, aber ein Spiel Keat den beiden, nur 
mirtfOaftlich verbundenen Spekrlations- und Realifationsgefchäften nicht zu- 
arunde. Sreilih kann much unter der bloßen Form des Kafjagefchäfts ein 
wahres Differenzgefjchäft im Sinne des 8 764 {ih verbergen; daher ift biefe 
Borjchrift insbejondere anwendbar Kafjakäufe, bei welchen die Abficht 
dahin ging, daß in Wirklichkeit das gehandelte Vabier nicht gekauft werde, 
iondern dem angeblihen Käufer oder Einkgufsfommittenten nur der 
anmittelbar nach dem Vertrage notierte Börfenpreis zu Laiten und fpäter 
der Börfenpreis eines angeblichen Verkanufstages gutgefdhrieben werden jollte; 
ir die Annahme, daß ein Kafiagefchäft nicht ernitlidh gewollt jei, genügt 
aber meder die Spekulationsabjicht der Bertragichließenden, nodh der Um: 
jtand, daß die gekaufte Ware nicht in den Befiß des Kommittenten gelangt 
oder in der Hand des Kommiffionärs bleibt und weiterverfauft wird, ohne 
in das Eigentum des Kommittenten übergegangen zu {fein (Urt. D. Reichsger. 
vom 4. Samıar 1902, 8. März 1902 und 30. Mai 1903, Sur. Wichr. 1902 
Beil. S. 199, 1902 S. 257 RL 1903 Beil. S. 100, Urt, d. Neichsger. vom 
8. Oitober 1902. RGE. Bd. 52 S, 250 ff., 254 #f., vom 21. Dezember 1904 
NOS. Bd. 59 S. 321 f. und vom 4. November 1905 D. Sur. 3. 1905 S. 83; 
!. au Staub a. a. ©. Anm. 62, Neumann Note I, 1, a, Dertmann Bent. 2,C, 
RON.-Komm. Bem. 2, Trumpler in D. Jur.3. 1903 S. 103, Urt. d. OLG. 
Yraunjchweig vom 5. Janıar 1909 L3. 1909 S. 485 ff). Neber das 1og. 
„Kaffakfontokurrentgefhäft” 1. RÖOR.-Komm. Bem. 2 umd die dort 
?rwähnten Entfcheidungen des Reichsgericht8. , ; 
‚ Sit zu verneinen, daß ein Differenzgefchäft im Sinne des $ 764 
vorliegt, fo bleibt immer no zu prüfen, ob nicht ein Spielgefhäft 
im Sinne des S 762 gegeben it; dies wird insbefondere anzunehmen fein, 
wenn die Papiere nicht wirklich angefchafft oder verkauft worden {ind (val. 
Staub a. a. DO. Ann. 62, Pland Bem. 4, Dertmann Bem. 2, c, Goldmann 
Cilienthal S. 809 Anm. 1). 
Darüber, daß fh auch das Kommiffionsgefhäft zum Differenz- 
zefhäfte geftalten fann, f. Urt. d. Reicdhsger. vom 16. April 1904 Sur. Wichr. 
1904 S. 291, Staub a. a. ©. Anm. 64, Blank Bem. 3. 
Eine nachträgliche Nebereinkunft der TEE Darüber, daß nicht effektiv 
geliefert werden Tolle, macht das Gefchäft nicht zu einem Dilferenzgefchäft 
m Sinne des 8 764 (Crome S 290 Anm. 21, Pland Bem. 2, b). 
Ueber die vedhtlidhen Zolgen des Umftandes, daß der Vertrag „als Spiel 
anzujeben ift“, 7..DBem. 11 zu & 762, Neber Zurücforderung eines Barbetrags, 
der zur ne von Anfprücdhen des Bankiers aus ab- 
fIhOlieBenden Di ezenzge1® üften bingegeben ift, f. Urt. d. RNeichsger. 
om 30. Yuni 1909 D, Iur.3. 1909 S. 1267. . 
Hinfichtlih des Einfluffe8 der Unkflagbarkeit des DifferenzgelhHäfts 
auf andere mit ihn zufammenhängende RMecdht8gefhäfte, insbefjondere 
Muftrag, Gefellfhaft und Darlehen, finden die in Bem. VI zu 
S 762 entwicfelten Grundfäße entfprechende Anwendung val. Staub a. a. D. 
Anm. 78—80, -Düringer-Sachenburg a. a. OD. S. 199 {ff., Vland Bem. 5, b). 
JIT. Die binfichtlich der Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Xillenserflärungen und 
des ya Detom mr eine8 BertragsS geltenden allgemeinen Beftimmungen (88 116 f., 
5 0 en durch S 764 natürlich nicht berührt (val. Windicheid=-Xipp, Band. Bd. 2 
S. 38 
| IV. Steht das Borhandenfein der Vorausfebungen des S 764 felt, fo müfjlen die 
hieraus jich ergebenden A Holgerungen don Amt? wegen berücjichtigt werden 
NOS. Bd. 44 S. 54; vgl. Bem. IN zu 8 762). 
Ob die im S 764 eine AWbficht vorhanden war, hat der Nicdhter unter Würdi- 
gung aller einf&lägigen Berbältnifie nach freiem Ermefjen zu ent{dheiden. Anhalts: 
R
	        
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