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; VII Abfjchnitt: Einzelne Sohuldverhältnilfe.
S 767,*)
Für die Verpflichtung des Bürgen ijt der jeweilige Beftand der Haupt
verbindlichfeit maßgebend. Dies gilt insbefjondere auch, wenn die Hauptverbind-
fichfeit durch Verjchulden oder Verzug des Hauptjihuldners geändert wird. Durch
ein Mechtsgejchäft, das der Hauptjchuldrer nach der Uebernahme der Bürajchaft
vornimmt, wird bie Verpflichtung des Blürgen nicht erweitert.
Der Bürge haftet für die dem Gläubiger von dem Hauptjhuldner zu er
jegenden Koften der Kündigung und der Nechtsverfolgung.
& I, 672; II, 708; 11, 751,
i. Der alzeftorifhen Natur der Bürgfchaft entfprechend (Bem. 6, c zu S 765) {tellt
5 767 Abi. 1 Sag 1 den Grund jaß nr daß für die Verpflihtung des Bürgen
der jeweilige Beitand der TEE HROUTEH maßgebend ift (Me. II, 664; val.
Dernburg, Band. Bd. 2 8 79, Windfcheid-Ripp, Band. Bd. 2 S. 1091 Anm. 26, BLR.
ZU 1 Tit. 14 88 258 ff, BLR. IV cap. 1) $ 9 Biff. 3; über andere Rechte f. M. IH,
664 und Note 2, 3). Hieraus ergibt ich insbefjondere, daß, wenn der Hauptichuldner die
Sefahr trägt und ohne fein Verjchulden die Leillung ganz oder teilmeife unmöglich
geworden ijt, der YBürge für die fich hieraus ergebenden Wenderungen der HGauptverbind-
lichkeit einzuftehen hat (ME. II, 664).
a) 05 fih die Haftung des Bürgen auf die durch befonderes VBerfprechen des
HauptihnldnerS begründeten Nebenanfprüche des ®läubiger8 Ber:
irag5zinfen, Vertragsitrafen 2.) erftreckt, hängt von der Aus-
{egung des OA ab; der im der IL. Komm. geftellte Antrag,
sine Auslegungsregel aufzunehmen, wonach fich die Haftung des Bürgen im
Bweifel auch auf Die vertragSmäßigen Zinfen erfirecden follte, wurde abge:
lehnt, weil fich Ddiefe Frage nur nach den Umftänden des einzelnen Falles
ent{/cheiden Iaffe. Hat der Bürge hei Abjehluß des SiralchaftSbertrags die
VBerzinslichfeit der Schuld gekannt und keinen Vorbehalt gemacht, fo wird
regelmäßig anzunehmen fein, daß er au die SGaftung für die Binfen über-
10mmen Bat R, IT, 666, 36. II, 365, %. IL, 467; bol. 8 1210 Abi. 1
Saß 1; f. ferner Dernburg, Band. Bd. 2 8 79 AUum. 4, Windfheid-Ripp,
Band. Bd. 2 S. 1091 Yurm, 27—29, Danz, Die Auslegung der Recht8-
AN 2. Mufl. S. 190 ff, Goldmann-Lilienthal S. 814 Unm. 5, Dertmann
Den. 2, d, Seuff. Arch. Bd. 51 Nr. 1797.
Ueber weitere Folgerungen au der aBzeiforifchen Natur der Bürg-
ichaft |. Bem. 6 zu S 765; über die Beendigung der Haltung des Bürgen
en der Hauptverbindlichkeif insbefondere |. Bem. 6, b
u .
hier dem „jeweiligen Beftande der Hauptverbindlichkeit“ ift
deren NechtSbeftändigkeit und Gegenftand, nicht aber der gefamte Inhalt der
Gauptverbindlichfeit mit allen. Modalitäten zu verftehen; daher kanır- aus
5 767 hf. 1 Saß 1 nicht gefolgert werden, daß der LeiftungsSort für
SE der gleiche wie für den Hauptfchuldner fein muß val. Bem. 6, k, «
zu d
2, Im Einklange mit dem Örundfaße des S 767 Abf. 1 Sab 1 beftimmt Sak 2,
daß durch Menderungen, weile die Hauptverbindlichleit infolge BVerjehuldens oder
VBerzugs$ des Hauptichuldners (SS 276 ff, 284 ff.) erleidet, auch die Verpflichtung des
Bürgen entiprechendb geändert werde (Mt, II, 664; vol. Dernhurg, Band. Bd. 2 $ 79
Biff. 1, Windfcheid-Kipp, and. Bd. 2 S, 1091 Anm. 26, fächf. GB. S 1456 Sab 2;
ogl. auch Seuff. Arch. Bd. 48 ir. 180). Demgemöß erftreckt fich ingbefondere, menn {ich
der Släubiger gemäß S 326 für den vertraglichen Schadenserfaßanfpruch ent
[chieden hat, bie Haftung des Bürgen nunmehr auf den an Stelle des prinzipalen Er.
üllumngsanfpruchs getretenen Schadenserfaßaniprucm (Urt. D. Kammerger. vom 25. Mai
1908 3ipr. d. DLSG. Bd. 18 S. 41).
Öticht hieher gehört der Fall, wenn nach Nufhebung des Vertrags durch Rück
tritt die Zurückgabe des Seleifteten gemäß S 346 verlangt wird; für diefe Verpflichtung
des Hauptichuldners8 haftet der ON überhaupt nicht (Urt. d. NeichsSger. vom 9. April
1902 Sur. Wichr. 1902 Beil. S. 235 ff).
3)
‚ *)% Bendir, Gibt e8 eine Haftıngq des Bürgen über den jeweiligen Beftand der
Daubtverbindlichteit hinau83? ur, Wichr. 1906 S. 589 ff