Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

20. Titel: Schuldverfprechen. Schuldanerfenntnis. S 780. 1455 
Schuldbeitritt, Rümelin a. a. OD. S. 226, 228 ff., Hellwig, Verträge auf Leitung an 
Dritte S. 270 und insbe]. Reichel, Die Schuldmitiüidernahme S. 180 ff. Die Frage wird 
ur berneinen fein, da 1a der Schuldübernehmer geradezu in die causa des Urvertrags 
»intritt, diefe fich aneignet (jo mit Recht Reichel a. a. DV). CS Tann jedoch im Einzelfall 
au8 den maßgebenden Erklärungen der befondere Wille fich ergeben, eine felbftändige, 
vom Verpflihtungsgrunde IoSgelöfte Verpflichtung new zu begründen. Dies ft dann aber 
dem Wejen nach nicht mehr die Nebernahme einer fremden Schuld, fondern ein völlig 
jelbftänbigeS, abftraktes Schuldverfprecdhen in Sinne des S 780, val. hierüber nüher 
Reichel a. a. D., au NGE. Recht 1910 Nr. 891. 
, Bei der Verpflichtung, für die Schuld eines andern als Bürge einzuftehen oder 
eine Oypothek zu errichten, handelt e8 {ih nicht um Begründung eine8 vom Vers 
flictungsgrund unabhängigen Schuldverhältniffes, da ja jene Verpflichtung von der 
Schuld eines andern abhängig it, vgl. OL®. Stuttgart, Bl. f. RA. Bd. 72 S. 677, 
Towie Rümelin a. a. ©. S. 226, 238 ff. und Wefterfamy a. a. D. 
7, Ueber das Verhältnis der 8$ 780, 781 zum SchhenkfungSverfpredhen f. 
8 518 26f. 1 Sab 2 mit Bem. N, 2 Hiezu, fowie auch unten Bem, IV, 2, a, «. 
8. Neber das Verhältnis des $ 780 zu S 329 (Erfüllungsübernahme) val. 
Bem. IN, a a. € 
9, Ueber Schuldummandlung in ein Se und die Frage nach der RMechtS- 
natur joldher Ummandlung vol. 8 607 Ybf. 2 mit Bem. 
„40, Wegen des MotivS vol. ROES., Kecht 1910 Nr. 1243, auch Borbem. II, c, 
fowie Bem. I, 1, a oben. 
11. Eine al8 felbftändige Berpflichtung anderer Art 3. B. als Wechfel) gewollte, 
wegen ZormmangelS aber rechtsungültige Berpflidhtungserfärung kann im Wege 
Des $ 140 als felbitändiges Schuldverfprechen des S 780 aufrecht bleiben; dies gilt 
aber ww bon einem erlofchenen oder verzjährten Wechiel, vol. RNGOE. Bd. 48 S. 223 und 
ROR. Komm. Bem. 3. Val. auch Seuff. Urch. Bd. 65 Yr. 206. 
. II. Die Form, Das Gefeß ftellt für die Gültigkeit des Schuldverfprechens 
das Erforderni3 der Schriftform — val. 8 126 — auf. 
L. Diefe Borfchrift war dem früheren Nechte nicht bekannt. Sie rechtfertigt ih 
1er damit, daß die BZuläffigkeit bloßer Mündlichkeit hier_die RehHtSfidherheit zu 
jebr gefährden würde, da eine beliebige Neußerung des Schuldrer8 unter Umftänden 
Ion in diefem Sinne gedeutet merden fönnte. Anderfeits foll durch die Schriftform gerade 
der Schuldner vor einer Nebereilung bewahrt werden. Die NusZhHändigung einer 
iOriftlidhen Erklärung bildet einen wichtigen Behelf für die Annahme, daß in der Tat 
»ine bindende Feftlegung gewollt war. 
a) Die Formalifierung der BerpflidhtungSurkunde felbft richtet fihH nad S 126. 
Ueber einzelne Streitfragen (3. B. Namensunterfhrift, Vertretung 2C.) in 
5iefer Beziehung f. die Bent. zu S 126. Hervorgehoben fei hier nur, daß 
eine „förmlidhe Urkunde“ im Sinne eines ganz felbitändigen Schriftitückes 
nicht erforderlich ift; auch in einem Briefe oder einer Boftkarte des Schuldners 
ın den Öläubiger kann eine VerpflitungserHärung i1ul* Sinne der SS 780, 
{81 gültig niedergelegt werden, fofern jene Schriftücke nur dem S 126 
‚insbef. NamensunterfOrift! vol. Bem. 5 zu S 126) genügen. Die Bezeichnung 
Ie8 Gläubiger8 ift notwendig, vol. ROSE. Bd. 71 S. 113, abw. Recht 1909 
Yır. 2388 (Stuttgart). Ueber den Zeitpunkt des WirkffammwerdensS der Ber: 
oflihtung val. 8 130, Jur. Wicdhr. 1909 S. 719, RGE. Bd. 61 S. 414. 
Das Erfordernis der Schriftform ift aber nur jür das vom Schuldner abs 
‚ugebende Leiftungsverfpredhen aufgeftellt. Die zur Vollendung des VBer- 
trag8 erforderliche Annahme des N Meuipeens feitens des Gläubiger5s ift 
dagegen formfrei und kann auch ftillfhweigend erfolgen. In der 
Regel gejchiebt fie durch Entgegennahme der vom Ausiteller überreichten 
Urfunde. (Ausnahmsfälle, in denen troß erfolgten Vertragsichlufjes der 
Ausfteller doch im Befige des Papier geblieben ift, find natürlich denkbar, 
;. 5. der Gläubiger hat aus VBerfehen die Urkunde beim Schuldner zurück 
zelaffen, vgl. Klingmüller S. 78), 
Der Gläubiger, welher im Befiße der von dem Schuldner ausgeftellten 
Urfunde über das Schuldverfprechen {ich befindet, hat aber, wie fich aus 
allgemeinen ©rundfägen bereit3 ergibt, nicht erft noch den Ab 1Oluß des 
Bertrags8, d.h. die Tatfache zu beweifen, daß der Schuldner ihm die Urkunde 
Ele und die Erklärung des Schuldners auch angenommen habe 
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