Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

25. Titel: Unerlaubte Handlungen, Vorbemerkungen, - 1583 
wie im Falle des &$ 951 Abi. 2 Saß 1) oder nicht (vgl. 8687 und Bem. 3, d 
ziezu). Daß jede auf einen der Anfprüche erfolgende Leiftung wegen der 
jiemit verbundenen SchadenzZminderung auch der Erfüllung de& anderen An- 
jbruchs dient, {ft felbjtverftändligH (Neumann VBorbem, F, I, 2). Ueber die Ber 
deutung der VertragShaftung neben der Delittshaftung hinfichtlig der Be- 
mei8laft f. Urt, d. NeichSaer. vom 13. Februar 1908 Senff. Arch. Bd, 63 
Nr. 201, 
o) Die Berlegung einer Bertrag3hflicht, alfo die NidHterfül- 
lung einer Berbindligkeit durg den Schuldner, {ft, auch 
wenn fie auf Berjdhulden (Borjag oder Fahrläjfigteit) beruht, an 1t keine 
unerlaubte Handlung im Sinne de3 25, Titel? (M, IL, 727, II, 392, 
36. II, 396, %®. II, 572; SFijher a. a. D. S. 91, Kiß in D. Yur.Z. 1908 
3, 685, Urt. d. OLG, Dresden vom 21. März 1902 Recht 1908 S. 237, Urt. 
DL. Celle vom 12, Iuli 1904 Recht 1904 S. 447, Urt. d. MeichSger. vom 
L9. Dezember 1902 RGE. Bd. 53 S. 201, Urt, d. OLG. Frankfurt a. M. dont 
18. Juni 1906 Recht 1906 S. 1375 ff.) 
Die Verlegung einer Bertragsbilidht kann aber zugleig den Tatbejftand 
siner unerlaubten Handlung erfüllen (vgl. Fijher S. 92 ff., Urt. d. Meichsger, 
vom 4. Februar 1904 und 13. Februar 1908, Yur. Wichr. 1904 S. 166 ff., 1908 
3. 237, fowie vom 28. Wpril 1908 Warneyer Erg.=Bd. 1908 S, 393; and. 
Xnf., mie e8 Icheint, Urt, d. OLG. Stettin vom 26. Januar 1909 Mfpr. d. 
386. Bd. 20 S. 122 ff.). Der Arzt, der durch einen Kunfifehler den Zod des 
Batienten herbeigeführt, Handelt nicht nur vertragSwidrig, [ondern verlegt auch 
‘ahrläffig und mwiderrechtlig das Leben eine8 anderen (8 823 bj. 1); der 
Yuwelier, der dem Kunden arglijtigerweijer einen vergoldeten Ring al3 maffiv 
golden verkauft, verftößt nicht nur gegen feine Vertragspfliht, jondern auch 
jegen ein den Schuß eine8 anderen bezwedendes Gefeg, nämlich gegen S 263 
5168. (S 823 Abi. 2); der Schuldner, der nicht leiftet, um den für diejfen Fall 
ınausbleibligen Konkurz des Gläubiger8 Herbeizuführen, fügt durch fein Der: 
‚rag8widriges Verhalten in einer gegen die guten Sitten verftoßenden Weife 
nem anderen vorjäglig Schaden zu (S 826). In all diefen Fällen farın 
der Gläubiger (wie in den Fällen unter a) nad feiner Wahl entweder den 
Anfpruch auZ dem Vertragsverhältnis oder den AnfprudH auf Schadenzerjaß 
nad Maßgabe der 88 823 ff. geltend machen (vgl. Dernburg, Band. Bd. 2 
8 1831 nm. 22, WindijhHeidb-Nipp, Rand. Bd. 2 S. 950, Liszt, Delikt3obligas 
tionen €. 11 f., Dertmann Borbent. 5, Goldmann-Lilienthal S. 882, Müller in 
Bl. f. RA. Bd. 65 S, 374 {f., Neumann a. a. D.; and. Anf. ohne übers 
zeugende Begründung, Endemann a. a. D.; |. au Cojad I S. 688). 
Von diejem Grundfage foll nach Liszt (a. a. DO. S. 13 ff.) eine bobbelte 
Ausnahme gelten: ; 
x) Soweit durch befondere gefeklihe Beitimmung die vertragsmäßige Haftung 
ıuf [Owerere Schuldarten befhränkt ift, ergreife dieje Einjeränkung auch 
den Deliktsanipruch. Gabe aljo der Schenker (der nad S 521 für ge- 
möhnlidhe Fahriäffigkeit nicht Haftet) durch die von ihn einem anderen 
zefchenfte Sache diefent fahHrläffig Schaden zugefügt, Jo Fönne er auch 
nit aus 8 823 Abi. 1 in Anipruch genommen merden (val. Dernburg, 
Band. Bd. 2 8 131 Anm. 22, b). 
Wenn der Gläubiger dem Schuldner die Hastung für FaHrläffigfeit er- 
laffen habe (S 276), fönne der Gläubiger nicht nah 8 823 Abi. 1 wegen 
iahrläffiger Verlegung jeines Rechte SchadenZerjaß beanjpruchen. 
Allein wirklige Ausnahmen von dem erwähnten SGrundjage dürften 
hierin nicht gelegen fein, meil die Handlungsweile des Schuldner8 mit Rücklicht 
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