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VIT Aojchnitt: Einzelne Schuldverhältnijje.
NachH S 53 Aof. 3 StOB. it die Neberihreitung der Notwehr
NMotwehrexzeB) nicht {trafbar, wenn der Täter in Beftürzung, Furcht
oder Schrecken über die Grenzen der Berteidigung hinausgegangen 1lt. Den
BGB. ijt eine folche Vorfchrift unbekannt; hei Neberfchreitung der Notwehr
wird daher die Wivderrechtlichfeit der Handlung im Sinne des S$ 823 Aof. 1
nicht Gefeitigt umd die Verpflichtung zum Schadenserfaße bleibt beftehen;
Freilich wird die Erfaßpflicht in Jolchen Fällen häufig mangels bes erforder-
lichen VerjchuldenS f. unten unter C) zu verneinen fein, fo inSbefondere,
menn die betätigte Nbmwehrhandlung ohne Fahrläjfigkeit für erforderlich er-
achtet werden fonnte (Urt. d. Neichsger. vom 13. Februar 1902 Yur. Wichr.
1902 S. 193, Urt. d. DLG, Karlsruhe vom 2. Oftober 1903 Kipr. d. OLG.
Bd. 9 S. 39); auch kanır die Vorfchrift des 8 254 mobifizierend_ eingreifen
Dal. Bem. 4 zu $ 227, M. I, 349, II, 728 ff, SJacubeziy, Bem. S. 165 und
binfihtlich des früheren Rechtes ROE, Bd. 21 S. 295 MM.)
Auch die irrtümliche Annahme der Notwehr BGutativnotmehr)
Töllt nicht unter 8 227 umd {Oließt daher die Miderrechtlicdhkeit der Hand-
fung nicht aus. Auch hier {f. oben unter d) mird aber häufig das zur Bes
gründung der Erfaßpflicht erforderlidhe Berfchulden fehlen oder die Vor:
jchrift des & 254 anımendhar fein (Bent. 5 zu S 227; Me. 11, 728 ff.; Urt. d.
OLG. Karlsruhe vom 2. Oktober 1903 und des ZLO. Koftodk vom 24. Oktober
1907, Mipr. d. DLG. Bd. I S. 39, Bd. 18 S. 71 ff, Urt. d. MeichSger. vom
12. März 1906 Jur. Wicdhr. 1906 S. 297 ff.; |. au unten unter C, 4).
Abweichend von den Grundjägen des Strafrechts muß der Beweis der
Notwehr demjenigen auferlegt werden, der unter Berufung Hierauf feine
Schabenserfaßpflicht beftreitet (ebenfo Urt. d. ReicdhSger. vom 12. März 1903
Yu. Wichr. 1903 Beil. S. 54 ff, vom 18. Dezember 1906 Ktecht 1907 S. 251
und vom 18. Sanırar 1907 Iur. Wichr. 1907 S. 138 f. [mit Literaturangaben]
fowie für das frühere Necht RKOESC. Bd. 33 S. 352 ff.; and. An]. Urt. d.
Neichsger. vom 16. Oktober 1906 YJur. Wichr. 1906 S. 745).
3, Notitand. Nach S$ 228 Handelt nicht widerrechtlich, wer eine fremde Sache
beichädigt ober zerftört, um eine durch fie drohende Gefahr von Kich ober einem anderen
abzumenden, menn die Befchädigung oder die Berftörung zur Abwendung der Gefahr
erforderlich ift und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr ftebt; hat aber
der Gandelnde die Gefahr felbit verfchuldet, fo ift er zum ScOhadenserfabe verpflichtet
8. 11, 729, 770; vgl. die Bem. zu $ 228, H. U. Filder a. a. ©. S. 221 ff., fowie $ 54
SB. und die Kommentare hiezu).
a) HE «x einzelnen Elemente des Notftandsbegriffs 1. Bd. I Bem. 4,
a—d zu 8 228.
Sinfichtlih der irrtümliden Annahme eines Notftandes gilt das gleiche
mie bei der Notwehr (f. oben unter 2, e; val. Bem. 6 zu & 228).
Der Beweis des OO oblieat demjenigen, Der unter Berufung
biezonf U Schadenserfabpflidht beftreitet (Bem. 7 zu S 228; vgl. oben
unter 2, BD.
Liegen die Borausjebungen des & 228 nicht vor, fo fällt die Schadbenzerfaß-
pflicht nicht um deswillen weg, weil die Handlung nach den {trafrechtlihen
Beitimmungen über den NMotitand (St@®W. & 54) ftraflo3 it (ME. 11, 729,
770; Dernburg, Band. Bd. 2 8 131 Unm. 9, Windfcheid-Kipp, Band. Bd. 2
S. 975 Anm. 11, ROE. Bd. 5 S. 160 ff). Von der_1. Komm. wurde daher
al8 5 746 Wbi. 2 die Borfchrift beigefügt, daß die Schadenserfaßpflicht, nicht
dadırd ausgefchloffen werde, daß die jchädigende Handlung im Notitande
SEO worden ft (9. Il, 578). Bei der zweiten Lefung wurde jedoch
dieje Beitimmung mit Rücficht auf den neugejhaffenen $ 818 a (nun $ 904)
wieder geftrichen (%. VI, 212 ff.)
jeher Di fog. „angreifende Notftandshandlung“ f. 8 904 und
em, biezu.
4, Nicht miderrechtlich ijt ferner die nach Maßgabe der SS 229, 230 betätigte Selbit
hilfe (vgl. S 859). Wer aber eine der im S 229 bezeichneten Handlungen in der irrigen
Annahme vornimmt, daß die für den Yusichluß der Widerrechtlichteit erforderlichen Xor-
au8jeßungen vorhanden jeien, {ft dem anderen Teile zum Schadbenserjaße verpflichtet,
auch menn der SHrrtum nicht auf Fahrläffigkeit beruht (S 231); vol. die Bem. zu
88 229—2831 im Bd. I, fowie ©. A. Fildher a. a. OD. S. 256 ff.
5. Ginwilligung des Verlegten.*) €. IS 706 enthielt die Beftinmung, daß dem
Beichädigten, der in die befhöäbdigende Handlung eingemwilligt hat, ein alba auf
*) Val. S. AM. FiihHer, Die Recht&mwidrigfeit, Münden 1911 S. 271 ff.