Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

VII Abihnitt: Einzelne Schuldverhältniffe, 
der Baumeijter verantwortlich ift, erft längere Zeit nad der Boll- 
endung einftürzt (9. 11, 780). , 
Der einer Chefranu nad S 844 zuftehende Anfpruch wird daduroh 
nicht ausgefchlo)jen, daß fie zur Beit der Tötung des Mannes von ihm 
getrennt in ehbebrecherifchem Verkehr lebte (Urt. d. ReichsSger. vom 
‚22. Juni 1908 Bayr. 3. f. N. 1908 S. 311 ff). , 
e) EndlihH it VorausjeBung des Erfabanipruchs, daß dem Dritten 
infolge der Tötung das Recht auf den Unterhalt entzogen 
Lift. Dieje Borausfeßung {ft, wenn die Unterhaltspflicht des Getöteten auf 
5efien Erben übergeht (SS 1582, 1712), nur infoweit gegeben, al8 die Nechts- 
‘tellung des Unterhaltsberechtigten durch die dem Erben des Verpflichteten 
yuftebende Befugnis zur Herabjeßung der Rente bzw. Abfindung (SS 1582 
Mbf. 2, 3, 1712 WbT. 2) fichH verfchlechtert (Windfcheid-Ripp, Band. Bd. 2 
S, 956, Plan Bem. 4, b; vol. Urt. d. Reichsger. vom 12. Dezember 1907 
Recht 1908 S, 90). Erlifcht dagegen die Unterhaltspflicht des WVerlebten 
mit feinem Zode, fo i{ft dem Unterhaltsberechtigten infolge der Tötung das 
Hecht auf den Unterhalt entzogen, mag auch eine andere, bis dahin fublidiär 
erfaßpflichtige Berfon nunmehr zur Gewährung des UnterhaltS verpflichtet 
‚ein. Da aber in diejem Falle, wenig{ten3 bei Solvenz des {ubjidiär Unter- 
Haltspflichtigen, bezweifelt werden Könnte, ob dem BE N 
überhaupt ein Schaden ermachjen ift, befitimmt das Wejeb ausdrücklich 
85 844 YUbf. 2 CSaß 1, 843 Ab. 4), daß der Erfabanfprudh dadurch nicht 
zu8gefOloffen wird, dak an Stelle des Gethteten ein anderer den 
Unterhalt zu gewähren hat (MR. IT, 782, 9%. 11, 624, bayr. Cberft. L®. Bd. 16 
5.37; vol. Dem. 5 zu $ 843 und unten Bem. V, 3, b, 8). 
Nicht erjeßt wird auf @rund des S 844 der Schaden, den jemand dadurch 
erleidet, Daß infolge der Tötung des primär Unterhaltspflichtigen die Unter- 
Haltspflicht auf ihn übergegangen ift. Die Witwe kann alio nicht Erfaß dafür 
verlangen, daß infolge der Tötung ihres Chemanne8 nunmehr fie felbit ihren 
unmündigen Kindern Unterhalt gewähren muß (Urt. d. Reichsger. vom 
22. Oftober 1906 und vom 8. Oktober 1906, KÖOES. Bd. 64 S. 344 ff., fowie 
vom 5. November 1906 ROSE. Bd. 64 S. 360 f., vom 16. Mai 1907 Kur. 
Wir. 1907 S. 388 f. und vom 18. Februar 1907 Recht 1907 S. 449; 
Dertmann Bem. 8). 
3. Ueber die Erfaßanfprüche derjenigen Perfonen, weldhen der Getötete zur 
a Te ftung im Hauswefen oder Gemerbe verpflidgtet war, |. S$ 845 
und Bem., Hiezu. 
4. Die Beftimmungen der SS 722 Abf. 2 und 725 de8 E. I (f. oben Bem. I Ziff. 3 
und 6; MM. II, 776 F., 791 Ff., BZ. II, 411, 412, VI, 516, Sacubeziy, Bem, S, 171 ff.) 
murden von der IL. Romm. geftrichen, und zwar bie erftere Borfchrift mangel8 eines Be- 
dürfnifies hiefür CB. 1, 616 ff.), die Iektere, weil fie auf dem Orundjaße berube, den der 
€. I im $ 704 Ab. 1 für die Schadenzerfaßanfprüche der mittelbar Beihädigten 
aufftelle und daher mit der Ablehnung diefes Orundfabes wegfalle X. 1, 
627; bal. Worbem. VI). Nidhterfaßberecdhtigt i{t daher, wer (abgejehen von den 
in den 8$ 844, 845 genannten Perjonen) durch die Tötung mır mitte 1bar gejchäbigt worden 
ift, 3. 5. der Verficherer, bei dem daS Leben des Getöteten verfichert war (val. aber 
8 170 des RG. über den Verficdherungsvertrag vom 30. Mai 1908), der Rentengläubiger, 
Deffen Rente auf die Lebenzdauer des Setöteten geftellt war, der Chemann, dem durch 
die Tötung der Zrau die Nußnießung an deren Vermögen entzogen ift IM. II, 791, {. 
auch 728), der Angeftellte, der durch die Tötung feines Dienftherrn brotlos geworden ift ıc. 
(unrichtig Dernburg S 391 Anm. 9, ©. Zuld in Bl. f. RA. Bd. 63 S. 258 f.; vgl. das 
gegen BPland Bem. 2, Goldmann-Lilienthal S. 920 Anm. 5, Crome $ 339 Anm. 82 und 
eumann Note II, 1, b und 2). | | 
B. Sit der Tod des Berlepten nicht fofort aM fo fönnen außer den 
unter A erwähnten Anfprüchen dritter Berfonen auch joldhe Erfabaniprüche in 
Frage eg die bereit8 in der Perfjon des Verlekten Aur Entitehung 
gelangt jinDd. 
, 1. Sind dem, Verleßten für den Verfuch einer Heilung Koften erwachten, fo 
it der Täter gemäß S 843 hiefür erfaßpflichtig geworden (val. Dem. 11 zu 8 343). Diefer 
dem Verlekten erwachjene Anipruch geht allgemeinen Grundfäßen zufolge auf feinen Erben 
über (€. I, 722 Ab. 1, M. U, 774, . II, 615; vol. BER. Tl I Fit. 6 88 98, 110, 
BER, Il. IV cap, 16 8 6 Ziff. 4, 8 3 Abi. 1 Sah 1 des HaftpflichtgejeBeS in der Saffung 
des ES. Art. 42, I, Eger S. 438, $ 10 Abi. 1 SaB 1 des Automodilgef. vom 3. Mai 1909). 
en all gilt Einfichtlich anderer dem Verleßten erwmachjener Schadbenserfaßanfprüche 
Dem. zu S 843). 
1722
	        
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