Dorfgemeinden, den städtischen Verwaltungen oder der Regierung selbst
geleitet, ohne daß irgendeine Mittelsperson oder ein Kapitalist dazwischen
tritt. Die Gemeinde schafft und unterhält ihre eigenen Parkanlagen,
Kunstmuseen, Bibliotheken, Hörsäle, Straßen, Wege, Brücken, Märkte,
Schlachthäuser, Feuerspritzen, Leuchttürme, Lootsen, Fähren, Schlepper,
Rettungsboote, Friedhöfe, öffentliche Bäder, Waschanstalten, Tierasyle,
Häfen, Kais, Armenhäuser, Krankenhäuser, Polikliniken, Gasanstalten,
Wasserleitungen, Straßenbahnen, Telegraphenkabel, Felder, Wiesen,
Arbeiterhäuser, Schulen, Kirchen, Lesehallen usw.“ Zur gleichen Zeit
wie der Staat der Privatindustrie Konkurrenz macht, beaufsichtigt und
überwacht er sie: „Der Staat schreibt in den meisten der großen industriellen
Unternehmungen das Alter des Arbeiters, die Arbeitsdauer, die Menge
an Luft, Licht und Raum, die Temperatur, den Zustand der Aborte, die
Zeit der Mahlzeiten und der Ruhepausen vor; ebenso wie den Ort, die Zeit
ünd die Art und Weise, in der die Löhne zu zahlen sind; in welcher Weise
Treppen, Maschinen, Aufzüge, Bergwerke, Steinbrüche durch Schranken
ünd Schutzvorrichtungen geschützt werden müssen; wann und wie die
Maschinen gereinigt, ausgebessert und in Betrieb zu setzen sind ... Von
allen Seiten wird der individualistische Kapitalist inspiriert, kontrolliert
ünd nötigenfalls von der Kollektivität ersetzt“ 1 ).
Man sieht, ruft Webb aus, daß wir schon mitten im Sozialismus
stehen! Unsere Gesetzgeber sind schon alle, ohne es zu wissen, Sozialisten,
ünd „die Wirtschaftsgeschichte des Jahrhunderts ist eine fast ununter
brochene Kette des Fortschrittes des Sozialismus“ 2 ). Die Sozialisten —
so wiederholen die Fabier nach dem Vorbild der Saint-Simonisten — tun
Weiter nichts, als klar die Entwicklung auszudrücken, zu der ein Jeder
unbewußt beiträgt. „Anstatt unbewußte Faktoren zu bleiben, machen
wir uns bewußt und absichtlich zu ihren Trägern, sei es, um die Umwand-
IUngen, die wir bemerken, zu begünstigen, sei es, um sie zu bremsen 3 ).“
Hiermit sind wir weit von Karl Marx entfernt und noch weiter
v °u seinen syndikalistischen Schülern. In Wirklichkeit werden wir damit
z ü der Geschichtsphilosophie der Staatssozialisten zurückgeführt. Sollten
oie Fabier etwa nichts Anderes als Staatssozialisten sein, die ihren wirk
ten Namen nicht eingestehen wollen?
Mithin ist der „Fabische Sozialismus“, genau genommen, überhaupt
*) Fabian Essays, S. 48—49.
2 ) Ebenda, S. 31.
3 ) Sidney Webb, The difficulties of individualism in den Problems of
Hadern industry, S. 231. Daher erklärt Webb auch in den Fabian Essays, S. 35:
” Di e Sozialisten wie die Individualisten kommen zu der Einsicht, daß die Grundbedin-
| Un gen bedeutender organischer Veränderungen sind: 1. demokratisch zu sein . . .;
• a Umählich . . .; 3. von der Masse des Volkes nicht als unmoralisch angesehen zu
Werden . . .; 4. ZU m mindesten in England, konstitutionell und friedlich zu sein. 45