Full text : Über Fragen des Geldwesens und der Valuta während des Krieges und nach dem Kriege

werden. Sobald dieser Zustand eintritt, gibt es keinen festen Preis mehr
für die ausländischen Zahlungsmittel in Deutschland und für die deutschen
 Zahlungsmittel im Ausland, denn die Zahlungsmöglichkeit in
einem international gültigen und anerkannten Zahlungsmittel, dem Gold,
ist ausgeschaltet. Man kann nur mit nationalen Zahlungsmitteln
zahlen, und der Preis der nationalen Zahlungsmittel der einzelnen
Länder richtet sich allein nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage
 für die betreffenden Zahlungsmittel. Während also in normalen
Zeiten die Verhältnisse der Handels- und Zahlungsbilanz den Stand der
Wechselkurse nur um etwa %% verändern können, wird jetzt der
Stand der Handels- und Zahlungsbilanz direkt entscheidend für die
' Höhe der Wechselkurse, die infolgedessen nach oben und unten
grenzenlosen Schwankungen ausgesetzt sind. Gerade so, wie wir hohe
Preise zahlen mußten für Butter, Eier, Milch usw., weil diese Waren
am Markte knapp wurden, so mußten wir auch einen hohen Preis
zahlen für die Schweizer Francsnoten, holl. Guldennoten, schwedischen
Kronennoten, weil wir zur Zahlung der ausländischen Importe diese
in großem Maße brauchten.
So wird in der üblichen Weise der Grund des tiefen Standes der
deutschen Valuta regelmäßig aus dem markttechnischen Grunde der
für uns ungünstigen Waren- und Zahlungsbilanz erklärt. Aber wenn
auch im allgemeinen darüber Übereinstimmung herrscht, daß dieser
ungünstige Stand der Waren- und Zahlungsbilanz eine Ursache des
schlechten Standes unserer Valuta ist, so ist über eine andere
Frage eine große Meinungsverschiedenheit vorhanden, nämlich, ob
wirklich diese Ursache auch die Hauptursache und die ent- |
scheidende ist. Es wird nämlich von anderer Seite behauptet,‘
daß die eigentlich entscheidende und letzte Ursache nicht auf
diesen Umständen der Waren- und Zahlungsbilanz beruhe, sondern
vielmehr auf dem gesunkenen inneren Wert der deutschen Mark
selbst. Gerade so, wie bestimmte Waren nicht nur billig sein können,
weil das Angebot ein sehr großes ist, sondern auch weil die Ware an
sich schlecht ist, so wird auch behauptet, daß der schlechte Preis der
Markwechsel und der Marknoten im neutralen Auslande keineswegs
von einem zu großen Angebot dieser Zahlungsmittel herrühret, sondern
daher, daß der Binnenwert des deutschen Geldes während
des Krieges sich durch unsere Papiergeldwirtschaft verschlechtert habe
und daß der gesunkene Außenwert unseres Geldes, wie er
sich in dem schlechten Stand unserer Valuta auspräge, nur ein Reflex
der Entwertung des deutschen Geldes im Inlande sei.
Ich möchte im folgenden besonders die Untersuchung darauf lenken.
            
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