thumbs : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Der Skhepticismus. — Montaigne.

zelnen, auf die man verwiesen hat, ist der allgemeine Zusammenhang,
 der hier besteht. Hamlets Worte über das Schauspiel sind
Jer reinste Ausdruck und die Vollendung von Montaignes Aufjassung
 der „Natur“ als aesthetischem Normbegriff. Die Essais selbst
aaben diesen Begriff am Beispiel der mimischen Künste erläutert:
an dem Gegensatz zwischen der schlichten und ungezwungenen
Haltung des Künstlers und der Grimasse und der travestierenden
Uebertreibung des Nachahmers (II, 10). Unter dem neuen künstlerischen
 Ideal wendet sich der Blick wiederum auf die Volksdichtung
 zurück, deren naive Anmut Montaigne den vollkommensten
 Erzeugnissen der Kunstpoesie gleichstellt: das Kapitel
über die Dichtung der Naturvölker bildet den originalen Anfang
3äiner Entwicklung, die über Rousseau zu Herder hinführt. —
So hat auch hier die Skepsis ihre allgemeine Funktion erfüllt,
 durch Abstreifung der falschen konventionellen Hülle eine
neue und ursprüngliche geistige Wirklichkeit zur Entdeckung zu
bringen. Der Zweifel sinkt nicht ins Bodenlose: sondern er
indet, im Gebiete der Wertbetrachtung, überall festen Halt und
Ankergrund. Das!Selbstbewusstsein, das sich für den beobachtenden
 und reflektierenden Psychologen in eine heterogene
Mannigfaltigkeit wechselnder Zustände auflöste, wird jetzt als ein
[nbegriff geistiger Werte zurückgewonnen. Nicht in objektiven
 systematischen Formen prägt sich diese Umwandlung aus
aber sie stellt sich mittelbar in dem Maasse dar, als die Persönlichkeit
 Montaignes in der Fülle ihrer subjektiven Betätigungen
and Interessen sich vor uns entfaltet. In diesem Zusammenhang
wurzelt die unvergleichliche Eigenart von Montaignes philosophischem
 Stil. Er selbst spricht es aus, dass die Schilderung
des eigenen Ich in seiner konkreten Wahrheit seine „Physik
ınd Metaphysik“ bilde (IH, 13). Alle objektive Beobachtung
ınd Erfahrung ordnet sich diesem einheitlichen Hauptzweck als
Material und Mittel unter. Die Welt der Gegenstände bildet, an
sich genommen, nur einen gleichgültigen und gleichförmigen
Hintergrund; erst durch das Ich, das seine eigene Wesenheit auf
sie projiciert, gewinnt sie Leben und Gestalt. Werk und Autor
bilden daher hier eine untrennbare Einheit: „je n’ay pas plus
[aict mon livre, que mon livre m’a faict: livre consubstantiel
ä son auteur, d’une occupation propre, membre de ma vie,
            
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