20 Zweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.
Die Vorgänge, welche bei der Zersetzung explosiver Verbin—
dungen stattfinden, sind immer exothermischer Art; es wird immer
Wärme frei. Das Körpersystem, welches der explosiven Sersetzung
fähig ist, muß also endothermisch zersetzbar sein.
Man sieht dies z. B. sehr schön bei der Zersetzung der Metall—
oxalate Gerthelot))
ZTn CSOESS 70 4 2002 - 42,8 Kal.
Agꝰ COñ — Ag?ꝰ - 2002 4 29,5 Kal.
Zinkoxalat ist überhaupt nicht zersetzbar ohne Einwirkung fremder
äußerer Energie; Silberoxalat dagegen ist ein wirklicher Explofiv—
stoff, welcher durch Schlag oder auf 1300 erhitzt, lebhaft detoniert.
Zur Messung der Anderung des Wärmezustandes oder der
Wärmetönung eines Körpersystems in Slüssigkeiten, bei Lösungen,
bei Neutralisationen z. B. bedient man sich des Mischungskalori—
meters. Es ist dies ein Gefäß aus Glas oder Metall, in welchem
die aufeinander einwirkenden Stoffe von bestimmter Temperatur
miteinander gemischt werden. Die Temperaturänderung, welche
dabei die vorhandene, genau gemessene Wassermenge erfährt, wird
bestimmt und daraus wird die Wärmemenge berechnet.
Zum Messen der Wärmetönung bei Verbrennungen dient das Ver—
brennungskalorimeter. Dieses (die Berthelot'sche oder Mahler'—
sche Bombe) besteht aus einer verschließbaren Stahlhohlkugel, welche
innen mit Gold, Platin oder Email überzogen ist. In dieser wird
eine bestimmte Menge des betr. Stoffes in auf etwa 25 Atm.
komprimiertem Sauerstoff mit hilfe eines Platindrahtes durch elek—
trische Glüh- oder Funkenzündung verbrannt. Die Bombe befindet
sich in einem Mischungskalorimeter. Die Temperaturänderung,
welche dessen bestimmte Wassermenge erfährt, wird genau am
Thermometer festgestellt.
Der zweite hauptsatz der Thermochemie betrifft die Äqui—
palenz zwischen Wärme und chemischer Umwandlung; er lautet:
Wenn ein System einfacher oder zusammengesetzter Körper unter
bestimmten Verhältnissen gegeben ist und dasselbe physikalische
oder chemische Anderungen erfährt, welche das System in einen
neuen Zustand übersühren, ohne daß dabei äußere mechanische
Wirkungen vollbracht werden, so hängt die bei diesen Anderungen
erzeugte oder absorbierte Wärmemenge einzig von dem Anfangs—
) Matières explosives 7, 125.