22 SZweites Kapitel: Theorie der Sprengstoffe.
man seine Bildungswärme kennt. Man nimmt die Summe der
Wärmemengen, welche die in der Verbindung enthaltenen Mengen
Kohlenstoff und Wasserstoff, in freiem Zustande, bei ihrer Um—
wandlung in Kohlensäure und Wasser liefern, und zieht von
dieser Summe die Bildungswärme ab.
Der von Berthelot aufgestellte dritte Satz ist der Grund—
satz der größten Arbeit: Jede chemische Veränderung, welche
sich ohne Dazwischenkunft einer fremden Energie vollzieht, strebt
zur Erzeugung desjenigen Körpers oder desjenigen Systems von
—DDD
Dieser Satz ist nur vor bedingter Kichtigkeit, aber in den meisten
Fällen von praktischer Bedeutung zutreffend. In dem System
Kalium 4 Chlor 4 Brom bildet sich nicht Bromkalium, sondern
Chlorkalium, weil die Bildungswärme von KCl 106, die von KBr
nur 90 Kal. beträgt. Damit hängt es auch zusammen, daß ein
chemischer Vorgang sich umso leichter vollzieht, wenn die entftan—
denen Produkte in einer sekundären Keaktion neue Verbindungen
eingehen, wodurch neue Wärmemengen frei werden. So zerfetzt
Chlor das Wasser nur langsam, da die freiwerdende Wärmemenge
gering ist; H?O 4- CI2HBCIOA IO Kal. Wenn aber der
freiwerdende Sauerstoff Gelegenheit findet, einen andern Körper,
3. B. Schwefeldioryd, zu oxydieren, so findet die Zersetzung des
Wassers sehr energisch statt; 2820 4 Clꝰ 4 802 - H80ν
21C014 74 Kal.
Das Prinzip der größten Arbeit trifft nicht zu bei Reaktionen,
die bei hohen Temperaturen verlaufen; bei solchen bilden sich
vielmehr leicht dissoziierende endothermische Verbindungen. Da—
bei ist noch der von Carnot und besonders von Clausius ent—
wickelte zweite hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie zu be—
rücksichtigen, welcher die Umwandlung der verschiedenen Energie—
arten ineinander bei der Sustandsänderung eines Körpersystems
betrifft. Die Sustandsänderung kann von zweierlei Art sein. Ein—
mal kann der Energieinhalt des Körpers im Anfangs- und im End—
zustande denselben Wert haben. Er kann dann einen Kreis—
prozeß durchlaufen. Die von außen zugeführte Wärme wird
vollständig zur Arbeitsleistung verbraucht, und beim umgekehrten
Herlauf wird die Arbeit in Wärme verwandelt und nach außen
abgegeben. So kann ein Gas, das in einem durch einen beweg⸗
lichen Stempel verschossenen Zylinder sich befindet, durch Wärme⸗
zufuhr eine gewisse Ausdehnung erfahren und den Stempel ent—⸗