FRANKREICH — Auswärtige Besitzungen (Algerien). 101
Soldaten gekostet, von denen blos 3400 durch feindliche Waffen gefal
len, alle andern aber an Krankheiten gestorben waren. Die Colonisation
ward von der Regierung mannichfach gefördert. Durch die in Aussicht
gestellten Vortheile gelockt, sind auch seit 1630 mehr als eine Million
Europäer nach Algerien gezogen; allein entweder kamen sie dort um,
oder sie fanden es gerathen in ihr Vaterland zurückzukehren. Das Klima
(ungemein heiss, oft mit furchtbarer Kälte in den Nächten wechselnd)
erweist sich für Mittel- und Nordeuropäer höchst mörderisch. So kommt,
nach 34jähriger Colonisation und allen Opfern, die europäische Bevöl
kerung in ganz Algerien noch nicht einmal der Einwohnermenge einer
grossen Stadt gleich. — Die Zahl der Ehen und der Geburten ist zwar
■vechältnissmässig gross (Folge davon, dass die Eingewanderten fast
sämmtlich im besten Alter stehen, und auch Folge des Strebens der
Natur, starke Abgänge rasch zu ersetzen). Auf 1000 europäische Ein
wohner zählte man 1651 durchschnittlich 10,04 Heirathen und 42,63
Geburten (in Frankreich nur 7,8 Heir, und kaum 29 Geburten) ; 1656
ergaben sich 10,61 Heirathen und 37,94 Geburten. Noch weit grösser
ist aber in der Regel die Sterblichkeit. Von 1842 — 51 kamen auf
1000 Europäer jährlich im Durchschnitte 52,69 Sterbfälle, ungerechnet
das Militär (in Frankreich trafen selbst im Cholerajahre 1849 nur 27,7
Sterbfälle auf 1000 Einwohner, in gewöhnlichen Jahren blos 24,6).
Selbst in dem ungewöhnlich günstigen Jahre 1656 wurde ein Verhältniss
von 28,55 Todesfällen constatirt. Das Missverhältniss beträgt indess
noch viel mehr als diese Ziffern zeigen, weil beinahe die gesammte eu
ropäische Einwohnerschaft im kräftigsten Alter steht, in welchem in
b rankreich kaum 11 Todesfälle auf 1000 Menschen treffen. Von 1830
bis Ende 1851 zählte man bei der europ. Bevölkerung:
Provinsen Geburten Sterbfälle
Algier . . . 25,411 :{4,«79
Oran. . . . 11,755 13,602
Constantine . 7,734 12,097
Zusammen 44,900 60,768
Also in allen Provinzen mehr Sterbfälle als Geburten. Auch seitdem hat
das Missverhältniss blos ausnahmsweise aufgehört, in den 3 Jahren 1852
bis Ende 1654 kamen wieder blos 17,087 Geburten gegen 19,004 To
desfälle vor. Nur 1856 erscheint in obigen Angaben mit einem Ueber-
schusse an Geburten. Am furchtbarsten leiden die schweizerischen und
deutschen Colonisten, welche als Nordländer in dem heissen Klima am
wenigsten die Feldarbeiten zu besorgen im Stande sind. *)
Picard sogar, es seien bis dahin drei Milliarden für Algerien aufgewendet
worden.
*) In der vielempfohlenen Schweizercolonie bei Sétif starben von 528 dahin
gebrachten Colonisten im ersten Jahre, 1854, nicht weniger als 75, — demnach
im Verhältnisse über 142 von 1000! Ausserdem starben noch weiter 22 Indivi
duen, welche von der Sétif-Colonisationsgesellschaft nach Algerien gebracht
worden waren und sich an andern Punkten der Subdivision &*tif aufhielten.
'Die Colonisationsgesellschaft hat es unterlassen, klare Angaben über die spä
tem Resultate zu veröffentlichen, allein sie sah sich 1859 genöthigt, den Anbau
des ihr überlassenen Bodeifc durch Europäer ganz aufzugeben, und denselben
blos noch durch Eingeborene betreiben zu lassen.) •