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Kriegsschiffbau der Neuzeit.
dizierten Pferdestärken nur 19 Seemeilen pro Stunde beträgt, also wesentlich gegen die
Fahrtergebnisse des „Kaiser Wilhelm der Große" zurückbleibt. Um die Überlegenheit
der deutschen Schnelldampfer gegenüber den englischen auch mit Bezug auf die Größe
anzustreben, hat im Jahre 1900 der Norddeutsche Lloyd einen Schnelldampfer bei der
„Aktiengesellschaft Vulkan" in Auftrag gegeben, welcher an Größe der „Oceanic" nahe
kommt, an Geschwindigkeit jedoch der „Deutschland" ebenbürtig sein soll. Der Neubau
erhält bei einer Länge über alles von 214,5 in ein Deplacement von 26 000 t,
und die Maschinen von 38000 indizierten Pferdestärken sollen dem Schiff eine Ge
schwindigkeit von 23 Seemeilen pro Stunde verleihen. Und so stellen die neuesten
Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie, Erzeugnisse
deutschen Schaffens und Fleißes, mit ihren bisher unerreicht dastehenden Leistungen den
Höhepunkt in der Entwickelung der transatlantischen Dampfschiffahrt dar und geben der
deutschen Flagge auf See einen Vorsprung anderen Nationen gegenüber, welcher auch
für die nächsten Jahre anzuhalten scheint, da von fremden Rhedereien Schiffe ähnlicher
Leistungen nicht in Bau gegeben sind.
Die Entwickelung des Schnelldampferverkehrs zwischen Liverpool bezw. Southampton
und New Dork vom Jahre 1840—1896 ist in den schnellsten Fahrten durch die Abb. 620
graphisch dargestellt. Aus der Abbildung sind neben dem Wachsen der Schiffsgeschwindig
keiten und der hierdurch stetig abnehmenden Überfahrtszeit die Tonnengehalte der Schiffe,
die Leistungen der Schiffsmaschinen sowie der entsprechende Kohlenverbrauch pro Reise
in ihren wechselnden Größen zu ersehen. Die Tafel (Abb. 621) gibt die Größenverhältnisse
der Schnelldampfer innerhalb dieses Zeitraumes und die Abb. 622 die Hauptspantflächen
der wichtigsten Schiffe in gleichem Maßstabe wieder, welche in das des „Great Eastern"
eingezeichnet sind.
Der Kriegsschiffbau, welcher in dem Zeitalter der hölzernen Linienschiffe zwei
Jahrhunderte lang bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts keine nennenswerten Fort
schritte zu verzeichnen hatte, begann mit der Einführung des Dampfes als Treibkraft
einen neuen Aufschwung zu nehmen, sowohl mit Bezug auf die Bauart und die Formen
der Kriegsschiffe als auch mit Rücksicht auf die Taktik, da man durch die Verwendung
der Schaufelräder bezw. der Schiffsschraube vollkommen unabhängig von Wind und Wetter
wurde. Man fing alsbald an, neben dem Bau neuer Kriegsdampfer die hölzernen Linien-